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Packeis
  • Текст добавлен: 12 октября 2016, 05:46

Текст книги "Packeis"


Автор книги: Clive Cussler


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Триллеры


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»Ich habe dir auch erklärt, es wäre ohne die richtigen Frequenzen ein alles andere als perfektes System«, sagte Barrett.

»Ich habe das Beste getan, was ohne diese Zahlen zu tun war, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Schuss aus einem Präzisionsgewehr und einer Salve aus einer Schrotflinte, was genau das ist, was wir vorhaben. Die Wellen und Wirbel, die wir erzeugt haben, übersteigen in ihrer Wirkung alles, was wir in den Computermodellen haben beobachten können.« Er hielt kurz inne und atmete tief ein.

»Ich denke ernsthaft daran auszusteigen, Tris. Was wir planen, ist zu gefährlich.«

»Du kannstnicht aussteigen. Das ganze Projekt würde den Bach runtergehen.«

»Das stimmt nicht. Du könntest auf der Grundlage der Arbeit, die ich geleistet habe, weitermachen. Als dein Freund bitte ich dich jedoch dringend, nicht weiterzumachen.«

Anstatt ungehalten zu reagieren, lachte Margrave. »Hey, Spider, duwarst es doch, der die Kovacs-Theoreme entdeckt und mich darauf aufmerksam gemacht hat.«

»Manchmal wünsche ich mir, ich hätte es nicht getan. Es wäre vielleicht ein Segen gewesen, wenn sein Wissen mit seinem Tod in Vergessenheit geraten wäre.«

»Wenn ich dir nun verraten würde, dass Kovacs eine Methode entwickelt hat, um die Wirkung seiner Theoreme zu neutralisieren, würdest du deine Entscheidung, aus dem Projekt auszusteigen, dann noch einmal überdenken?«

»Die Möglichkeit zu haben, Schäden zu vermeiden, würde schon eine Menge ausmachen. Aber das ist ein völlig hypothetischer Punkt. Das Wissen ging mit dem Tod Kovacs’ gegen Ende des Zweiten Weltkriegs unter.«

Ein verschlagener Ausdruck schlich sich in Margraves Augen. »Um das Ganze durchzuspielen, nimm einfach an, dass er nichtgestorben ist.«

»Keine Chance. Sein Labor wurde von den Russen dem Erdboden gleichgemacht. Er selbst wurde getötet oder gefangen genommen.«

»Wenn er wirklich gefangen genommen wurde, warum haben die Russen sich seiner Arbeiten nicht bedient und Superwaffen hergestellt?«

»Sie haben es versucht« ,erwiderte Barrett. »So haben sie das Erdbeben von Anchorage ausgelöst und das Wetter durcheinandergebracht.« Er hielt inne, und seine Augen begannen zu leuchten. »Wenn die Russen Kovacs erwischt hätten, wären sie weitaus erfolgreicher gewesen. Daher musser 1944 gestorben sein.«

»Das nimmt man allgemein an.«

»Hör endlich auf, so überheblich zu grinsen. Du weißtirgendetwas, nicht wahr?«

»Was das anbetrifft, stimmt die Geschichte«, sagte Margrave. »Kovacs veröffentlicht die Arbeit über elektronische Kriegführung. Die Deutschen entführen ihn, damit er eine Waffe entwickelt, die das Dritte Reich vor dem Untergang retten soll. Die Russen überfallen das Labor und nehmen den Wissenschaftler nach Russland mit. Aber einer dieser deutschen Wissenschaftler hat Russland verlassen, nachdem der Kalte Krieg endete. Ich habe ihn gefunden. Es hat mich ein Vermögen an Schmiergeldern gekostet, das herauszukriegen.«

»Willst du damit sagen, er hatte die Daten, die wir brauchen?«

»Ich wünschte, es wäre so einfach. Das Projekt war streng in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Die Deutschen haben die Kovacs-Familie als Geiseln festgehalten. Dafür hat er wichtige Daten zurückgehalten, weil er hoffte, auf diese Weise seiner Familie das Leben retten zu können.«

»Das leuchtet ein«, sagte Barrett. »Wenn die Deutschen gewusst hätten, dass es etwas gab, was seine Arbeit wirkungslos machen konnte, hätten sie ihn nicht mehr gebraucht.«

»Das vermute ich auch. Er hatte keine Ahnung, dass die Nazis seine Familie praktisch sofort ausgelöscht haben und Briefe von seiner Frau fälschten, in denen sie ihn anflehte, um das Leben ihrer Kinder willen zu kooperieren. Stunden bevor die Russen das Labor erreichten, erschien ein Mann und nahm Kovacs mit. Laut unserem Experten ein großer, blonder Typ in einem Mercedes.«

Barrett verdrehte die Augen. »Diese Beschreibung passt auf die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands.«

»Wir hatten Glück. Ein paar Jahre, nachdem er Russland verlassen hatte, stieß unser deutscher Informant in einem Wintersportmagazin auf ein Bild von dem blonden Mann. Irgendwann in den sechziger Jahren hat der Mann, der Kovacs mitgenommen hatte, ein Skirennen für Amateure gewonnen. Er hatte einen Bart, und er war um einiges älter, aber unsere Quelle war sich sicher, dass es sich um den Richtigen handelte.«

»Hast du ihn aufgestöbert?«

»Ich habe einige unserer Sicherheitsleute losgeschickt, um ihn zu einem Gespräch einzuladen. Sie kommen von der gleichen Firma wie unsere Inselwächter.«

»Wie heißt diese Firma – Murder Incorporated?«

Margrave lächelte nachsichtig. »Gant hat sie empfohlen. Ich gebe zu, dass die Sicherheitsfirma, die wir benutzen, mit ziemlich harten Methoden arbeitet. Wir wollten Profis, die sich nicht scheuen, bis an die Grenzen des Erlaubten zu gehen.«

»Ich kann nur hoffen, dass diese Kerle das Geld wert sind, das ihr ihnen zahlt.«

»Bis jetzt nicht. Sie haben ihre große Chance vermasselt, mit dem Kovacs-Freund zu reden. Er hatte Lunte gerochen und sich aus dem Staub gemacht.«

»Sieh es positiv. Selbst wenn ihr ihn finden solltet, gibt es keine Gewähr, dass er irgendetwas über Kovacs’ Geheimnisse weiß.«

»Zu diesem Schluss bin ich auch gekommen. Daher habe ich mich wieder auf Kovacs konzentriert. Ich habe eine Suche nach allem in Gang gesetzt, das über ihn gesagt oder geschrieben wurde. Ich ging dabei von der Voraussetzung aus, dass er, wenn er am Leben geblieben wäre, seine Forschungen sicherlich fortgesetzt hätte.«

»Eine ziemlich gewagte Vermutung. Immerhin hat seine Arbeit seine Familie vernichtet.«

»Er würde sehr vorsichtig zu Werke gehen, aber seine Handschrift wäre nur sehr schlecht zu kaschieren. Mein Suchprogramm hat jede schriftliche wissenschaftliche Veröffentlichung seit dem Krieg durchgekämmt. Ich fand dabei eine ganze Reihe von Artikeln, in denen von einzigartigen kommerziellen Anwendungen elektromagnetischer Felder die Rede ist.«

Barrett beugte sich vor. »Ich bin ganz Ohr.«

»Einer der Pioniere in diesem Forschungsbereich war eine in Boston ansässige Firma, die von einem europäischen Immigranten namens Viktor Janos gegründet worden war.«

»Janus war der doppelgesichtige römische Gott, der gleichzeitig in die Zukunft und in die Vergangenheit blickt. Interessant.«

»Das dachte ich mir auch. Die Parallelen zu Kovacs’ Arbeit waren zu seltsam, um Zufall zu sein. Es ist, als ob Van Gogh Cézanne kopierte. Er schaffte es vielleicht, impressionistische Lichteffekte darzustellen, aber er konnte sich nicht bremsen, auch klare und kräftige Farben einzusetzen.«

»Was weißt du über Janos?«

»Nicht viel. Mit Geld kann man Anonymität kaufen. Angeblich ist er Rumäne.«

»Rumänisch war eine der sechs Sprachen, die Kovacs fließend beherrschte. Red weiter.«

»Sein Labor befand sich in Detroit, und er selbst wohnte in Grosse Point. Er musste stets sofort in Deckung gegangen sein, wenn er irgendwo eine Kamera sah, aber er konnte nicht die Tatsache verheimlichen, dass er ein großzügiger Philanthrop war. Seine Frau wurde des Öfteren in den örtlichen Gesellschaftsnachrichten erwähnt. Es gab eine Geburtsanzeige von ihrem Kind, einem Sohn, der zusammen mit seiner Frau bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.«

»Also eine Sackgasse.«

»Das dachte ich anfangs auch. Aber Janos hatte eine Enkelin. Ich gab ihren Namen ein und wurde fündig. Sie hat eine Diplomarbeit über Wollhaarmammuts geschrieben.«

»Über diese alten Elefanten? Was hat das mit Kovacs zu tun?«

»Hör mir einfach weiter zu. Sie behauptet, dass die Wollhaarmammuts von einer Naturkatastrophe ausgelöscht wurden, die eine vernichtendere Version dessen war, was wir versuchen wollen. Und jetzt kommt der interessante Teil. In ihrer Arbeit erklärt sie, dass, wenn heute etwas Derartiges geschähe, die Wissenschaft in der Lage wäre, die Katastrophe zu verhindern.«

»Das Gegenmittel?« Barrett schnaubte. »Jetzt machst du wirklich Witze.«

Margrave nahm eine Mappe vom Tisch und warf sie Barrett in den Schoß. »Ich glaube, nachdem du dies gelesen hast, wirst du deine Meinung über das Projekt ändern.«

»Was ist mit der Enkelin?«

»Sie ist Paläontologin und arbeitet für die Universität von Alaska. Gant und ich haben beschlossen, jemanden dorthin zu schicken, um mit ihr zu reden.«

»Warum legen wir bei dem Projekt nicht eine Pause ein, bis wir in Erfahrung gebracht haben, was sie weiß?«

»Ich werde warten, aber ich möchte, dass alles an seinem Platz ist, damit wir sofort loslegen können.« Margrave wandte sich an Doyle, der die Unterhaltung schweigend verfolgt hatte. »Was hältst du von all dem?«

»Verdammt, ich bin nur ein einfältiger Pilot aus dem Süden. Ich höre zu, warte ab und lasse mich überraschen.«

Margrave zwinkerte Barrett zu. »Spider und ich werden noch eine Weile beschäftigt sein.«

»Schon verstanden. Ich hole mir noch ein Bier und unternehme einen kleinen Spaziergang.«

Nachdem Doyle gegangen war, setzten die beiden Männer sich an einen Computer. Als sie dafür gesorgt hatten, dass ihr Plan so weit wie möglich gediehen war, kamen sie überein, sich später noch einmal zu treffen. Doyle ging gerade auf dem Pier auf und ab, als das Gespräch beendet wurde.

»Ich freue mich, dass du deine Meinung hinsichtlich deines Aussteigens aus dem Projekt geändert hast«, sagte Margrave abschließend zu Barrett. »Schließlich sind wir schon lange befreundet.«

»Dies hier geht über Freundschaft hinaus«, erwiderte Barrett.

Sie schüttelten sich die Hand, und wenige Minuten später raste das Flugzeug quer über die Bucht, um zu starten. Margrave schaute ihm nach, bis es nur noch ein winziger Punkt am Himmel war, dann kehrte er in den Leuchtturm zurück. Er blickte eine Zeit lang mit einem Lächeln auf seinem seltsamen Gesicht aus dem Fenster im ersten Stock. Barrett war ein Genie, aber er war unglaublich naiv, sobald es um Politik ging.

Trotz seiner Zusagen und Versicherungen hatte Margrave nicht die Absicht, das Projekt vorerst zurückzustellen. Wenn es jemals einen Zeitpunkt gegeben hatte, in dem der Zweck die Mittel heiligte, dann war es dieser.

12

»Unglaublich!« Barrett schüttelte den Kopf.

Er saß im Passagiersessel des Wasserflugzeugs und steckte die Nase in die Mappe, die Margrave ihm gegeben hatte.

Doyle drehte sich halb zu ihm um. »Ist das Material gut, das Tris dir gegeben hat?«

» Gut?Es ist fantastisch!«

Barrett hob den Kopf und löste den Blick von den Papieren, in die er vertieft gewesen war, dann sah er aus dem Fenster. Er hatte bisher kaum auf die Welt außerhalb des Cockpits geachtet und erwartete nun, dieselbe felsige Küste zu sehen, der sie auf ihrem Flug zur Leuchtturminsel gefolgt waren. Doch da draußen gab es keinen Gulf of Maine. Stattdessen erstreckten sich unter ihm Kiefernwälder, so weit sein Auge reichte.

»Hey, Mickey, hast du vielleicht auf der Insel ein Bier zu viel getrunken?«, fragte Barrett. »Wo ist das Wasser? Das ist wohl kaum der Weg, auf dem wir hergekommen sind. Wir haben uns verirrt.«

Doyle grinste, als wäre er bei einem Streich erwischt worden. »Das ist die landschaftlich schönste Route. Ich wollte dir mal zeigen, wo ich immer auf die Jagd gehe. Das verlängert den Flug nur um wenige Minuten. Es klingt ja so, als wäre es ziemlich gutes Zeug, das du durcharbeiten sollst.«

»Ja, das Material ist wirklich erstaunlich«, bestätigte Barrett. »Tris hat Recht. Das Thema ist ziemlich geheimnisvoll, und die Autorin verallgemeinert stellenweise sehr. Und es besteht ein Unterschied zwischen in der Natur vorkommenden Phänomenen und dem, was wir in Gang zu setzen versuchen. Aber sie schreibt sehr kundig und informiert über dieses sogenannte Gegenmittel. Sie klingt, als hätte sie mit Kovacs persönlich darüber gesprochen.«

»Guter Mann. Ich vermute, das heißt, dass du dem Projekt erhalten bleibst.«

»Nein.« Barrett schüttelte den Kopf. »Es gibt hier nichts, das mich dazu bringen könnte, meine Meinung zu ändern. Selbst wenn wir uns mit dieser Frau unterhalten würden, lässt sich nicht sagen, wie viel sie tatsächlich weiß oder wie viel reine Theorie ist. Dieser Wahnsinn kann nicht weitergehen. Die einzige Möglichkeit, ein Desaster zu vermeiden, ist, an die Öffentlichkeit zu gehen.«

»Was meinst du damit?«

»Ich habe einen Freund in der Wissenschaftsredaktion der Seattle Times.Den rufe ich an, sobald wir gelandet sind, und erzähle ihm die ganze Geschichte.«

»Hey, Spider, du kannst den Leuten die Einzelheiten dieser Geschichte nicht verraten«, sagte Doyle und schüttelte heftig den Kopf. »Bist du ganz sicher, dass du damit an die Öffentlichkeit gehen willst? Du könntest in größte Schwierigkeiten geraten.«

»Das Risiko muss ich eingehen.«

»Das wird Tris und dem ganzen Projekt den Todesstoß versetzen. Er ist immerhin dein Partner.«

»Darüber habe ich gründlich nachgedacht. Auf lange Sicht wird es für ihn das Beste sein.«

»Also ich weiß nicht so recht.«

» Ichaber. Am Ende wird er mir noch dafür danken, dass ich diesen verrückten Plan vereitelt habe.«

»Warum wartest du nicht? Er sagte, er würde sich zurückhalten, bis jemand mit Kovacs’ Enkelin gesprochen hat.«

»Ich arbeite schon lange mit Tris zusammen und kenne ihn. Er hat es nur gesagt, um mich zu beruhigen«, meinte Barrett lächelnd. »Die Welt muss erfahren, was wir ausbrüten, und unglücklicherweise bin ich derjenige, der alles ausplaudern wird.«

»Ach, Mist.«

»Was ist, Mickey? Du meintest doch, ich sei der Schwermütige in unserer Truppe.«

»Wie lange kennen wir uns schon, Spider?«

»Seit unserer Zeit am MIT. Du hast damals in der Cafeteria gearbeitet. Wie könnte ich das vergessen?«

»Ich hab’s nicht vergessen. Du warst der Einzige unter diesen neunmalklugen College-Kids, der mich nicht wie den letzten Dreck behandelt hat. Du warst mein Freund.«

»Du hast dich dafür bestens revanchiert. Du kanntest in Cambridge immer die Bars, wo man die besten Girls treffen konnte.«

»Die kenne ich immer noch«, sagte Doyle grinsend.

»Du hast deinen Weg gemacht, Mickey. Nicht jeder kann Pilot werden.«

»Ich bin doch nur ein ganz kleines Licht, verglichen mit dem Großen Mann.«

»Tris? Ich vermute, er ist überlebensgroß. Ich bin wie ein Architekt, der nur ein einziges Haus baut. Er ist dagegen wie der Entwickler, der Tausende dieser Häuser verkauft. Seine Visionen waren es, die uns reich gemacht haben.«

»Glaubst du eigentlich an diesen Anarchiekram, von dem er ständig redet?«

»An einiges schon. Auf dieser Welt ist vieles aus dem Gleichgewicht geraten, und ich würde gerne die Eliten aufrütteln, aber im Grunde interessierte mich die wissenschaftliche Herausforderung viel mehr. Nun hat sich das zerschlagen, und ich muss die Dinge in Ordnung bringen.«

»Und ich kann dir als guter Freund nur den Rat geben, dass das keine gute Idee ist.«

»Ich weiß diese Freundschaft zu schätzen, aber ich muss darauf erwidern, dass es mir leid tut, aber ich kann nicht anders.«

Doyle schwieg einige Sekunden lang, dann meinte er: »Mir tut es auch leid.« Tiefe Traurigkeit lag in seiner Stimme.

Nachdem dieses Thema offensichtlich abgehandelt war, widmete Barrett seine Aufmerksamkeit wieder der Mappe und blickte nur gelegentlich aus dem Cockpitfenster. Sie überflogen dichte Wälder, als Doyle plötzlich die Ohren spitzte.

»Verdammt! Was ist das?«

Barrett schaute von seiner Lektüre hoch. »Außer dem Motor höre ich nichts.«

»Irgendetwas stimmt nicht«, sagte Doyle stirnrunzelnd. Das Flugzeug sackte einige Meter ab. »Verdammt, wir werden langsamer. Halt dich fest. Ich muss die Kiste runterbringen.«

»Du willst landen?« Barretts Stimme zitterte. Er reckte den Hals, während er seinen Blick über die Baumwipfel unter sich gleiten ließ. »Wo?«

»Ich kannte mich in der Region mal ganz gut aus, aber es ist schon eine Weile her, seit ich in dieser Gegend hier auf Jagd war. Ich glaube, nicht weit von hier gibt es einen See.«

Das Flugzeug verlor weiter an Höhe.

»Ich sehe etwas.« Barrett deutete auf einen funkelnden Fleck, der offenbar das Sonnenlicht reflektierte.

Doyle stieß den Daumen nach oben und lenkte die Maschine in Richtung der blauen Wasserfläche. Das Flugzeug ging so steil in den Sinkflug über, dass es aussah, als würde es in die hohen Kiefern krachen. Im letzten Moment zog Doyle die Maschine hoch, berührte fast die Baumkronen, ehe er eine mustergültige Landung auf dem See hinlegte.

Das Flugzeug hatte genug Schwung, um bis zum Ufer zu treiben und einen schmalen Strand hinaufzurutschen. Doyle lachte. »Das war der reinste Höllenritt. Bist du okay?«

»Ich habe zwar das Gefühl, als steckte ich mit den Ohren in meinem eigenen Hintern, aber ansonsten geht es mir gut.«

»Reinzukommen war einfach«, stellte Doyle fest und betrachtete den dichten Wald ringsum. »Wieder rauszukommen dürfte ziemlich schwierig werden.«

Barrett deutete auf das Funkgerät. »Sollten wir nicht lieber Hilfe anfordern?«

»Gleich. Ich will mir erst mal den Schaden ansehen.« Er kletterte hinaus auf den Schwimmer und machte einen weiteren Schritt auf den Strand hinunter. Er bückte sich zweimal und warf einen Blick unter den Rumpf. »Hey, Spider, sieh dir das mal an.«

Barrett stieg ebenfalls aus dem Flugzeug. »Was ist los?«

»Hier, unter dem Rumpf. Es ist einfach erstaunlich.«

Barrett machte Anstalten, sich hinzuknien. Er hatte noch immer die Mappe in der Hand.

»Ich sehe nichts.«

»Du wirst es«, sagte Doyle. »Du wirst es.« Er holte eine Pistole aus seinem Anorak.

Barrett bückte sich tiefer, und die Ledermappe rutschte ihm aus der Hand. Der dicke Papierstapel ergoss sich auf den Erdboden. Einige Blätter wurden von einer Windböe erfasst, die über den See wehte, und auf der Lichtung verteilt, als führten sie ein Eigenleben.

Barrett hechtete hinter der Mappe her und sammelte die Papiere mit der Fertigkeit eines Footballprofis ein. Er schaffte es, alle Papiere an sich zu bringen, ehe sie zwischen die Bäume geweht wurden. Er stopfte sie zurück in die Mappe und drückte sich diese fest an die Brust. Ein siegreiches Grinsen lag auf seinem Gesicht, während er sich auf den Rückweg zum Flugzeug machte.

Er erblickte die Pistole in Doyles Hand.

»Was ist los, Mickey?«

»Mach’s gut, Spider.«

Am Tonfall in Doyles Stimme erkannte er, dass sein Freund nicht scherzte. Sein Grinsen verflog. »Warum?«

»Ich kann nicht zulassen, dass du das Projekt scheitern lässt.«

»Sieh mal, Mickey. Tris und ich können das ausdiskutieren und uns einigen.«

»Es hat nichts mit Tris zu tun.«

»Ich verstehe nicht.«

»Ich trinke ein Bier auf dich, sobald ich wieder in Cambridge bin«, sagte Doyle.

Die .25er Pistole in seiner Hand knallte zweimal.

Die erste Kugel bohrte sich in die Ledermappe. Barrett verspürte den Stoß gegen seine Brust, aber er stand der Situation immer noch völlig ungläubig gegenüber, als die zweite Kugel seinen Schädel streifte. Dann meldeten sich seine Überlebensreflexe. Er ließ die Mappe fallen, machte kehrt und stürmte in den Wald. Doyle feuerte zwei weitere Schüsse ab, doch die Kugeln schlugen harmlos in einen Baumstamm ein. Er fluchte und nahm die Verfolgung auf.

Barrett achtete nicht auf die tief hängenden Zweige, die ihm ins Gesicht peitschten, oder die Dornenranken, die sich in seiner Jeans verhakten. Seine Überraschung und Enttäuschung, von einem Freund beschossen zu werden, hatte nacktem Entsetzen Platz gemacht. Blut sickerte an der Seite seines Kopfs und am Hals herab. Während er durch den Wald stürmte, erkannte er voraus einen silbernen Glanz. Oh verdammt! Er war im Kreis gelaufen und zum See zurückgekehrt, aber nun gab es kein Zurück mehr.

Er brach aus dem Wald und gelangte auf einen Sandstrand, ungefähr hundert Meter vom Flugzeug entfernt. Er konnte hören, wie Doyle sich dicht hinter ihm durchs Unterholz wühlte. Ohne zu zögern rannte er ins Wasser, holte tief Luft und tauchte unter. Er war ein guter Schwimmer, und trotz seiner Schuhe an den Füßen hatte er sich bereits mehrere Meter vom Strand entfernt, als Doyle am Seeufer erschien. Er tauchte so tief unter wie möglich.

Doyle stand am Ufer und zielte auf die Wellen, die auf der Wasseroberfläche die Stelle markierten, wo Barrett verschwunden war. Er jagte eine ganze Salve ins Wasser, lud in aller Ruhe nach und leerte ein zweites Magazin.

Dort, wo Barrett untergetaucht war, färbte das Wasser sich blutrot. Doyle beschloss, fünf Minuten zu warten, bis er sicher sein konnte, dass Barrett nicht die Luft anhielt, doch dann hörte er plötzlich von der anderen Seite eines Schilfdickichts im Wasser links von ihm laute Rufe.

Er warf einen Blick auf den größer werdenden Fleck auf der Seeoberfläche und verstaute die Pistole in seinem Gürtel. Eilig kehrte er durch den Wald zur Lichtung zurück. Er sammelte die Papiere auf, die Barrett fallen gelassen hatte, und stopfte sie in die Mappe. Dabei bemerkte er das Einschussloch in der Lederhülle. Er fluchte. Das hatte er davon, dass er eine Spielzeugpistole benutzt hatte. Wenig später saß er wieder im Flugzeug und schwebte über den Baumwipfeln.

Sobald er davon ausgehen konnte, wieder eine Netzverbindung zu haben, wählte Doyle eine Nummer auf seinem Mobiltelefon. »Und?«, fragte eine Männerstimme am anderen Ende der Leitung.

»Es ist erledigt«, antwortete Doyle. »Ich habe versucht, es ihm auszureden, aber er war entschlossen, alles preiszugeben.«

»Schade. Er war wirklich brillant. Irgendwelche Probleme?«

»Nee«, log Doyle.

»Gut gemacht«, sagte die Stimme. »Ich will dich morgen hier sehen.«

Doyle versprach, dass er kommen würde. Als er die Verbindung unterbrach, machte sein irisches Blut sich durch einen kurzen Moment des Bedauerns darüber bemerkbar, dass er seinen alten Freund hatte töten müssen. Aber Doyle war in einer Umgebung aufgewachsen, wo eine Freundschaft mit einer nächtlichen Beerdigung wegen eines schiefgegangenen Drogengeschäfts oder einer ungehörigen Bemerkung schlagartig zu Ende gehen konnte. Es war nicht sehr schön, aber Geschäft war nun mal Geschäft. Er verdrängte Barrett aus seinem Bewusstsein und begann, von den Reichtümern und der Macht zu träumen, über die er sicherlich schon bald verfügen würde.

Er wäre weniger unbesorgt gewesen, wenn er gewusst hätte, was sich hinter ihm im See abspielte. Ein Kanu hatte das Schilfdickicht umrundet. Die beiden Fliegenfischer im Boot hatten den Lärm von Doyles Pistole gehört. Sie wollten den vermeintlichen Jäger warnen, dass sich Menschen in der Nähe des Sees aufhielten. Einer der Männer war ein Anwalt aus Boston, aber, was noch wichtiger war, der andere Mann war Arzt.

Als sie aus dem Schilfdickicht auftauchten, deutete der Anwalt voraus aufs Wasser und sagte: »Was zum Teufel ist das da?«

Der Arzt folgte seinem Blick. »Sieht aus wie eine Melone mit einer Spinne darauf.«

Sie paddelten, bis sie nur noch wenige Meter von dem Objekt entfernt waren. Die Melone verschwand, und an ihrer Stelle erschienen Augen, eine Nase und ein aufklaffender Mund. Der Anwalt hob ein Paddel hoch und bereitete sich darauf vor, es auf den im Wasser treibenden Kopf zu schlagen. Spider Barrett blickte hinauf in zwei erstaunte Gesichter. Seine Lippen bewegten sich.

»Helfen Sie mir«, flehte er.


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