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Wächter des Zwielichts
  • Текст добавлен: 29 сентября 2016, 04:49

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Автор книги: Сергей Лукьяненко



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Sechs

Der Fahrstuhl kroch – so kam es mir vor – unerträglich langsam in den neunzehnten Stock hinauf. Inzwischen konnte ich verschiedene Pläne entwickeln und wieder verwerfen. Bodyguards – das machte die Sache erheblich schwieriger.

Ich würde improvisieren müssen. Und im Notfall ein wenig von meiner Tarnung aufgeben.

Ich klingelte lange an der Tür und blickte in die elektronische Pupille der Kamera. Schließlich rührte sich etwas, und aus der in die Wand eingebauten Sprechanlage fragte jemand: »Ja?«

»Sie setzen mich unter Wasser!«, echauffierte ich mich und versuchte, so aufgelöst wie möglich zu klingen. »Die Fresken an der Decke sind schon nass! Im Flügel stehen bereits zwei Eimer Wasser!«

Woher nahm ich bloß diese Fresken und den Konzertflügel? »In was für einem Flügel?«, fragte eine misstrauische Stimme.

Woher sollte ich denn wissen, was die hier für Flügel haben? Schwarze und teure. Oder weiße und noch teurere…

»In meinem Wiener Flügel! Mit geschwungenen Beinen!«, phantasierte ich weiter.

»Und wir dachten schon in dem Klavier, das da steht vor der Tür«, erwiderte jemand mit unverhohlener Ironie.

Ich sah zu Boden. Diese verfluchte allseitige Beleuchtung… Nicht einmal einen ordentlichen Schatten gab es hier!

Als ich die Hand in Richtung Tür ausstreckte, schaffte ich es immerhin, einen schwachen Schatten auf dem rosafarbenen Holz, mit dem der Panzerstahl verkleidet war, zu erkennen. Sofort zog ich ihn zu mir.

Meine Hand tauchte ins Zwielicht ein, der Hand hinterher ich selbst.

Die Welt gestaltete sich neu. Verlor ihre Farben, ergraute. Tiefe Stille senkte sich herab, nur das elektrische Innenleben der Kamera und der Sprechanlage surrten noch.

Ich stand im Zwielicht, in jener seltsamen Welt, wohin nur die Anderen einen Weg kennen. In jener Welt, aus der unsere Kraft stammt.

Die fahlen Schatten der aufgeschreckten Bodyguards. Über ihren Köpfen glomm eine alarmierte purpurrote Aura, die ich sogar durch die Tür hindurch sehen konnte. Ich könnte sie mit einem Gedanken berühren, ihnen einen Befehl geben – und sofort würden sie mir öffnen. Doch ich zog es vor, durch die Tür hindurchzugehen.

Die Bodyguards waren wirklich auf der Hut. Einer hielt eine Pistole in der Hand, einer tastete sehr langsam nach seinem Halfter.

Ich berührte die Bodyguards, fuhr ihnen mit dem Daumen über die kräftige Stirn. Schlaft, schlaft, schlaft… Ihr seid sehr müde. Ihr müsst euch hinlegen und sofort einschlafen. Mindestens eine Stunde lang. Tief und fest. Mit süßen Träumen.

Der eine Bodyguard fiel sofort in Ohnmacht, der zweite leistete den Bruchteil einer Sekunde Widerstand. Später würde ich prüfen müssen, ob er zu uns Anderen gehörte. Wer weiß…

Dann trat ich aus dem Zwielicht heraus. Die Welt gewann ihre Farben und ihr Tempo zurück. Von irgendwoher erklang Musik.

Wie Säcke sanken die Bodyguards auf den teuren Perser, der unmittelbar hinter der Tür lag.

Es gelang mir, mit einem Griff gleich beide abzufangen und sie relativ sanft zu betten. Dann folgte ich der Musik, dem friedlichen Geigenspiel.

Diese Wohnung war in der Tat gründlich renoviert worden! Alles glänzte, war durchdacht und harmonisch, offenkundig die Arbeit eines der besten Innenarchitekten. Hier schlug der Hausherr nicht einen Nagel selbst in die Wand. Vermutlich hegte er aber auch gar nicht den Wunsch. »Das«, brummte er billigend oder unzufrieden, während er die kolorierten Zeichnungen betrachtete, dann mit dem Finger auf einige Gemälde zeigte – und die Wohnung fürs nächste halbe Jahr vergaß.

Timur Borissowitsch war anscheinend ins Assol gekommen, um die Jacuzzi zu genießen. Und zwar eine echte Jacuzzi, keinen Whirlpool einer weniger renommierten Firma. Aus dem schaumbekrönten Wasser ragte nur das Gesicht heraus, das mich so schmerzhaft an Geser erinnerte. Der teure Anzug war achtlos über eine Sessellehne geworfen – in diesem Bad reichte der Platz für Sessel, einen Zeitungstisch, eine geräumige Sauna und eben die Jacuzzi, die an ein kleines Schwimmbecken erinnerte.

Gene sind doch trotz allem eine großartige Sache! Gesers Sohn konnte kein Anderer werden, aber in seinem menschlichen Dasein genoss er alle denkbaren Freuden.

Als ich eintrat, mich orientierte und auf die Wanne zuging, starrte Timur Borissowitsch mich an und runzelte die Stirn. Machte aber keine abrupten Bewegungen.

»Ihre Bodyguards schlafen«, setzte ich ihn in Kenntnis. »Ich vermute, Sie könnten jetzt den Knopf einer Alarmanlage drücken oder eine Pistole ziehen. Das brauchen Sie nicht, es würde Ihnen ohnehin nichts nützen.«

»Es gibt hier keinen solchen Alarmknopf«, brummte Timur Borissowitsch, und seine Stimme erinnerte schmerzhaft an die Stimme Gesers. »Ich bin nicht paranoid… Sie sind vermutlich ein Anderer?«

Aha. Legen wir die Karten also auf den Tisch…»Ja«, meinte ich lächelnd. »Schön, dass ich auf lange Erklärungen verzichten kann.«

Timur Borissowitsch schnaubte empört. »Was kommt jetzt?«, fragte er. »Muss ich aus der Wanne steigen? Oder können wir das so aushandeln? »

»Es geht auch so«, versicherte ich. »Darf ich mich setzen?«

Der Sprössling des großen Magiers nickte, ich zog einen Sessel heran und nahm Platz, wobei ich erbarmungslos seinen teuren Anzug zerknautschte. »Wissen Sie, warum ich gekommen bin?«, fing ich an.

»Sie sehen nicht wie ein Vampir aus«, meinte Timur Borissowitsch. »Sie sind ein Magier, oder? Ein Lichter?«Ich nickte.

»Sie sind gekommen, um mich zu initiieren«, vermutete Ti-mur Borissowitsch. »Wäre es so kompliziert gewesen, vorher anzurufen?«

Ach du meine Güte… Nichts verstand er.

»Wer hat Ihnen versprochen, Sie zu initiieren?«, fragte ich scharf.

Timur Borissowitsch runzelte die Stirn. »Also… bringen wir es hinter uns«, murmelte er. »Weshalb sind Sie gekommen?«

»Ich untersuche einen Fall, bei dem es um eine nicht sanktionierte Weitergabe von geheimen Informationen geht«, antwortete ich.

»Aber Sie sind ein Anderer? Sie sind nicht von der Staatssicherheit?«, wollte Timur Borissowitsch nervös wissen.

»Zu Ihrem großen Unglück bin ich nicht von der Staatssicherheit. Erzählen Sie mir in aller Offenheit, wer Ihnen wann das Versprechen gegeben hat, Sie zu initiieren.«

»Eine Lüge würden Sie eh spüren«, erwiderte Timur Borissowitsch nur.

»Natürlich.«

»Mein Gott, ich wollte einfach nur ein paar Stunden meine Ruhe haben!«, rief Timur Borissowitsch mit schmerzerfüllter Stimme. »Hier gibt es Probleme, da Schwierigkeiten… Und wenn ich mich in der Wanne entspannen will, platzt ein seriöser junger Mensch herein und verlangt Erklärungen!«

Ich wartete ab. Wies ihn nicht darauf hin, dass ich kein»junger Mensch«war.

»Vor einer Woche hat sich jemand mit mir getroffen…«, begann Timur Borissowitsch stockend. »Unter recht seltsamen Umständen… ein Herr…«

»Wie sah er aus?«, wollte ich wissen. »Sie brauchen ihn mir nicht zu beschreiben. Stellen Sie ihn sich einfach kurz vor.«

In Timur Borissowitschs Augen flackerte Neugier auf. Er starrte mich an.

»So?«, fragte ich irritiert. Was seinen Grund hatte.

Wenn ich dem Bild glauben durfte, das der Geschäftsmann sich eben ins Bewusstsein gerufen hatte (und ich hatte keinen Grund, ihm nicht zu glauben), dann hatte der heute kaum noch bekannte, früher jedoch ausgesprochen populäre Filmschauspieler Oleg Strishenow mit ihm gesprochen.

»Oleg Strishenow«, schnaubte Timur Borissowitsch. »Jung und schön. Ich habe schon geglaubt, mit meinem Kopf stimme irgendetwas nicht. Doch er hat mir mitgeteilt, das sei bloß eine Maskierung… eine Maske…«

Natürlich. Geser hatte noch so viel Verstand besessen, sich zu maskieren. Hm… das erhöhte vielleicht unsere Chancen!

Ich wurde wieder etwas zuversichtlicher. »Fahren Sie fort«, verlangte ich. »Was passierte dann? »

»Dieser Tiermensch«, berichtete Timur Borissowitsch, unfreiwillig all unsere Begriffe verwechselnd, »hat mir bei einer Sache sehr geholfen. Ich war da in eine unangenehme Geschichte hineingeraten… durch puren Zufall. Wenn er mir nicht bestimmte Dinge gesagt hätte, läge ich jetzt nicht hier. »

»Er hat Ihnen also geholfen?«, hakte ich nach.

»Und wie«, nickte Timur Borissowitsch. »Natürlich wurde dadurch meine Neugier geweckt. Irgendwann haben wir uns unterhalten… ganz offen. Wir haben uns an das alte Taschkent erinnert, über alte Filme geplaudert… Dann hat mir dieser falsche Strishenow von den Anderen erzählt. Er hat behauptet, mit mir verwandt zu sein. Deshalb würde er mir gern jeden nur denkbaren Gefallen erweisen. Einfach so, ohne jede Gegenleistung. »

»Und?«, wollte ich weiter wissen.

»Ich bin schließlich kein Dummkopf.«Timur Borissowitsch zuckte mit den Schultern. »Einen goldenen Fisch sollte man nicht um drei Wünsche bitten, sondern um Allmacht. Oder schlimmstenfalls um ein Bassin mit goldenen Fischen. Ich habe ihn gebeten, aus mir ebenfalls einen Anderen zu machen. Daraufhin fing der so genannte Strishenow an herumzudrucksen und wand sich wie ein Fisch in der Pfanne. Er behauptete, das ginge nicht. Doch ich spürte, dass er log. Es ging! Deshalb habe ich ihn gebeten, sich etwas einfallen zu lassen und mich doch zu einem Anderen zu machen…«

Er log nicht. Nicht bei einem Wort. Sondern sagte einfach nicht alles.

»Sie können kein Anderer werden«, erklärte ich. »Sie sind ein gewöhnlicher Mensch. Es tut mir leid, aber Sie werden nie ein Anderer.«Timur Borissowitsch schnaubte erneut.

»Das ist… Das ist eine Frage der Gene, wenn Sie so wollen«, erklärte ich. »Timur Borissowitsch, ist Ihnen klar, dass Ihr Verhandlungspartner aus bestimmten Gründen in eine Fallegeraten war? Dass er seinen Vorschlag unglücklich formuliert hat und jetzt gezwungen ist, etwas Unmögliches zu vollbringen?«

Daraufhin konnte mein selbstsicheres Gegenüber nur schweigen.

»Sie haben es gewusst«, schlussfolgerte ich. »Ich sehe doch, dass Sie es gewusst haben. Und trotzdem haben Sie diese Forderung gestellt?«

»Ich habe Ihnen doch bereits gesagt, dass es möglich ist, das zu machen!«, widersprach Timur Borissowitsch mit erhobener Stimme. »Das spüre ich! Ich spüre nicht schlechter als Sie, wenn jemand lügt! Und ich habe niemanden bedroht, sondern nur um etwas gebeten!«

»Vermutlich ist Ihr Vater an Sie herangetreten!«, sagte ich. »Ist Ihnen das klar?«

Timur Borissowitsch erstarrte in seiner sprudelnden Jacuzzi zur Salzsäule.

»Er wollte Ihnen in der Tat helfen«, sagte ich. »Aber das kann er nicht. Ihre Forderung bringt ihn im wörtlichen Sinne um. Begreifen Sie das?«Timur Borissowitsch schüttelte den Kopf.

»Er hat Ihnen ein viel zu vage formuliertes Versprechen gegeben«, sagte ich. »Sie haben ihn jedoch beim Wort genommen. Wenn er das gegebene Wort nicht einhält, stirbt er. Ist Ihnen das klar? »

»Ist das bei Ihnen so üblich?«

»Das hängt mit der Kraft zusammen«, erwiderte ich. »Jedenfalls bei den Lichten.«

»Wo war er denn früher, mein Papa…«, fragte Timur Borissowitsch mit deutlicher Wehmut in der Stimme. »Er ist doch noch immer jung, oder? Warum kommt er erst jetzt, wo meine Enkel schon verheiratet sind? »

»Glauben Sie mir, er konnte nicht«, versicherte ich. »Und vermutlich wusste er gar nichts von Ihnen. Das kann vorkommen. Aber jetzt bringen Sie ihn um. Ihren eigenen Vater.«Timur Borissowitsch schwieg.

Während ich triumphierte. Denn dieser in der Jacuzzi liegende Geschäftsmann war kein ausgemachtes Schwein. Und das Wort»Vater«bedeutete für ihn, der er im Orient aufgewachsen war, viel. Trotz allem.

»Sagen Sie ihm, dass ich… meine Bitte zurückziehe…«, murmelte Timur Borissowitsch. »Wenn er nicht will… ach, zum Teufel mit ihm… Er hätte doch einfach vorbeikommen und offen mit mir über alles sprechen können. Es gibt doch keinen Grund, dafür einen seiner Angestellten zu schicken.«

»Sind Sie sicher, dass ich einer seiner Angestellten bin?«, hakte ich neugierig nach.

»Ja. Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Aber in Ihrer Wache wird er schon nicht das kleinste Rädchen sein.«

Ich hatte es geschafft! Ich hatte das Damoklesschwert, das über Geser hing, abgenommen.

Ob er mich deswegen ins Assol geschickt hatte? Ob er wusste, dass mir das gelingen würde?

»Ich habe noch eine Bitte, Timur Borissowitsch«, schmiedete ich das Eisen, solange es noch heiß war. »Sie müssen für einige Zeit die Stadt verlassen. Es sind gewisse Umstände bekannt geworden… Ihre Spur haben noch weitere Andere aufgenommen. Darunter auch die Dunklen. Sie werden Schwierigkeiten bekommen, aber… aber auch Ihr Vater.«

Abrupt setzte sich Timur Borissowitsch in der Wanne hoch. »Wollen Sie mir nun auch vorschreiben, was ich zu tun habe?«, fragte er.

»Ich könnte es Ihnen befehlen«, erklärte ich. »Genauso leicht, wie ich Ihre Bodyguards ausgeschaltet habe. Sie würden ohne Hosen zum Flughafen stürzen. Aber ich bitte Sie, Timur Borissowitsch. Sie haben bereits einen guten Schritt getan, indem Sie der Rücknahme Ihrer Forderung zugestimmt haben. Machen Sie jetzt auch den nächsten Schritt. Ich bitte Sie.«

»Sie wissen, welche Meinung man sich von einem Geschäftsmann macht, der urplötzlich Gott weiß wohin verschwunden ist? »

»Ich kann es mir denken.«

Timur Borissowitsch grunzte und wirkte von einer Sekunde zur nächsten viel älter. Ich schämte mich. Doch ich wartete. »Ich möchte gern… mit ihm reden.«

»Ich glaube, das lässt sich machen«, stimmte ich kurzerhand zu. »Aber zunächst müssen Sie verschwinden. »

»Drehen Sie sich um«, brummte Timur Borissowitsch.

Gehorsam drehte ich mich um. Aus irgendeinem Grund war ich mir sicher, nicht gleich eins mit der verchromten Seifenschale über den Schädel gezogen zu bekommen.

Und dieses durch nichts zu rechtfertigende Vertrauen rettete mich.

Denn ich sah durchs Zwielicht auf die Wand, um mich zu überzeugen, dass die beiden Bodyguards noch friedlich vor der Tür schlummerten. Dabei bemerkte ich einen flinken Schatten. Einen Schatten, der zu flink für einen Menschen war.

Außerdem ging dieser Schatten durch Wände. Nicht mit den gewöhnlichen Schritten eines Anderen, sondern mit dem huschenden Gang eines Vampirs.

Als Kostja das Badezimmer betrat, hatte ich meinem Gesicht bereits wieder einen ruhigen und amüsierten Ausdruck gegeben. Wie es sich für einen Lichten Wächter gehört, der vor einem Dunklen am Ort des Geschehens eingetroffen ist.

»Du«, sagte Kostja. Im Zwielicht stieg von seinem Körper feiner Dampf auf. Vampire sehen überhaupt in der Zwielicht-Welt anders aus, doch Kostja hatte noch viel von einem Menschen. Erstaunlich viel für einen Hohen Vampir.

»Natürlich«, sagte ich. Die Töne schienen in feuchte Watte gepackt. »Warum bist du hierher gekommen?«

Kostja zögerte. »Ich habe gespürt, dass du Kraft einsetzt«, antwortete er dann ehrlich. »Du musstest also etwas gefunden haben… Jemanden.«

Er blickte zu Timur Borissowitsch hinüber. »Ist das unser Erpresser?«, fragte er.

Es hätte keinen Sinn gehabt, jetzt zu lügen. Oder den Geschäftsmann zu verstecken.

»Ja«, sagte ich. »Ich habe ihn dazu gebracht, von seinen Forderungen abzusehen. »

»Wie?«

»Mit der Lüge, dass die Verwandlung in einen Anderen ihm unvorsichtigerweise sein eigener Vater versprochen hat. Dem deswegen jetzt ernsthafte Schwierigkeiten drohen… Daraufhin hat er sich geschämt und nicht auf Einhaltung des Versprechens bestanden.«Kostja runzelte die Stirn.

»Vorsichtshalber wollte ich ihn möglichst weit wegschicken«, log ich seufzend weiter. »Soll er sich doch irgendwo in der Dominikanischen Republik ansiedeln.«

»Das ist nur die eine Hälfte der Untersuchung«, wandte Kostja finster ein. »Ich glaube, ihr Lichten wollt jemanden aus euren eigenen Reihen decken. »

»Wir oder ich?«

»Du. Den Menschen zu finden ist nicht das Wichtigste. Wir brauchen denjenigen, der unser Geheimnis preisgegeben hat. Der ihm die Initiierung versprochen hat.«

»Aber das weiß er doch nicht!«, empörte ich mich. »Ich habe sein Gedächtnis überprüft, das ist absolut sauber. Der Verräter ist zu ihm in Gestalt eines Filmschauspielers aus dem vorigen Jahrhundert gekommen. Und hat keine Spuren hinterlassen.«

»Das werden wir noch sehen«, verkündete Kostja. »Er soll sich die Hosen anziehen, ich nehm ihn mit.«Was bildete sich der Kerl bloß ein?!

»Ich habe ihn gefunden, und er kommt mit mir mit!«, brüllte ich.

»Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass du Spuren vertuschen willst«, meinte Kostja mit leiser, aber drohender Stimme.

Hinter uns trocknete sich Timur Borissowitsch ab, ohne auch nur im Geringsten zu ahnen, welches Gespräch gerade im Zwielicht geführt wurde. Wir durchbohrten einander mit Blicken, keiner von uns beiden wollte nachgeben. »Er kommt mit mir mit«, wiederholte ich.

»Wollen wir uns um ihn schlagen?«, fragte Kostja fast belustigt.

Und mit einer gleitenden Bewegung stand er neben mir, um mir forschend in die Augen zu gucken. Seine Pupillen flackerten im Zwielicht wie ein rotes Feuer. Ja! Er wollte diesen Kampf!

Seit vielen Jahren schon! Um sich endgültig zu überzeugen, dass das Recht auf Seiten des Hohen Vampirs Konstantin war und nicht auf Seiten des naiven Kostja, der davon geträumt hatte, seinem Fluch zu entkommen und wieder ein Mensch zu werden…

»Ich bringe dich um«, zischte ich. Kostja grinste nur. »Wollen wir es drauf ankommen lassen?«

Ich sah zu Boden. Mein Schatten ließ sich kaum erkennen, doch ich hob ihn auf und drang in die nächste Schicht des Zwielichts ein. Dorthin, wo die Wände des Hauses sich kaum noch im Nebel erahnen ließen, wo den Raum ein alarmierendes tiefes Grollen ausfüllte.

Nur einen kurzen Augenblick lang genoss ich den Vorteil dieser Position.

Dann tauchte auch Kostja in der zweiten Zwielicht-Schicht auf. Jetzt sah er stark verändert aus. Sein Gesicht erinnerte an einen Schädel, dem die Haut abgezogen worden war, die Augen lagen tief in den Höhlen, die Ohren ragten lang und spitz auf.

»Ich habe Vieles gelernt«, flüsterte Kostja. »Was ist nun, mit wem geht der Verdächtige mit?«

In dem Moment erklang eine dritte Stimme. »Ich habe einen Vorschlag, der alle zufrieden stellt.«

Im grauen Nebel materialisierte sich Viteszlav. Sein Körper war ebenfalls deformiert und gab Dampf ab wie ein Stück Trockeneis in der Sonne. Ein Schauder durchlief mich. Der Prager Vampir kam aus der dritten Zwielicht-Schicht, aus jenen Schichten, die mir nicht zugänglich waren. Über welche Kraft musste er verfügen?

Nach Viteszlav tauchte Edgar auf. Dem Magier hatte die Reise in die dritte Schicht Mühe bereitet, er schwankte und rang nach Atem.

»Er kommt mit uns«, erklärte Viteszlav. »Wir glauben nicht, dass Anton Gorodezki böse Absichten hegt. Doch wir erkennen auch den Verdacht der Tagwache an. Die Untersuchung wird fortan in Händen der Inquisition liegen.«Kostja sagte kein Wort.

Auch ich schwieg. Was sollte ich tun: Das war Viteszlavs gutes Recht. Und ich hatte nichts, was ich ihm entgegensetzen konnte.

»Gehen wir, meine Herren?«, fuhr Viteszlav fort. »Hier ist es nicht sehr angenehm.«

In der nächsten Sekunde standen wir wieder in dem geräumigen Badezimmer, in dem Timur Borissowitsch, auf einem Bein hüpfend, versuchte, seine Unterhose anzuziehen.

Viteszlav ließ ihm die Zeit, sie anzuziehen. Und erst als sich der Geschäftsmann auf ein Geräusch hin umdrehte, unsere ganze Gesellschaft entdeckte und verwundert aufschrie, sah Viteszlav ihn kalt an.

Timur Borissowitsch fiel in Ohnmacht. Edgar sprang ihm bei und bettete den bewusstlosen Körper in den Sessel.

»Du sagst, er kenne den Verräter nicht…«, meinte Viteszlav, während er den Geschäftsmann neugierig betrachtete. »Was für ein erstaunlich bekanntes Gesicht… Mir kommt da ein ausgesprochen interessanter Verdacht.«Ich schwieg.

»Du kannst stolz auf dich sein, Anton«, fuhr Viteszlav fort. »Deine Behauptung ist nicht von der Hand zu weisen. Ich glaube, der Vater dieses Menschen arbeitet tatsächlich in der Wache. In der Nachtwache.«

Kostja kicherte. Natürlich gefiel ihm Viteszlavs Entscheidung nicht. Kostja hätte den Sprössling Gesers viel lieber persönlich in der Tagwache abgeliefert. Dennoch konnte er auch dieser Situation etwas abgewinnen.

»Der ach so weise Geser wird doch nicht einen derartigen Fehler gemacht haben?«, fragte er begeistert. »Ich würde gern wissen…«Viteszlav blickte Kostja an, der daraufhin verstummte.

»Einen Fehler machen kann jeder«, sagte Viteszlav leise. »Selbst ein Magier außerhalb jeder Kategorie. Aber…«Er starrte mich an. »Kannst du Geser herrufen?«

Ich zuckte mit den Schultern. Eine dumme Frage. Natürlich konnte ich das. Und auch Viteszlav konnte es.

»Mir gefällt nicht, was hier vor sich geht…«, meinte Viteszlav leise. »Ganz und gar nicht. Irgendjemand hält uns hier sehr geschickt zum Narren.«

Er bedachte uns alle mit einem durchdringenden, unmenschlichen Blick. Etwas hatte seinen Argwohn geweckt. Aber was?

»Ich setze mich mit meinem Chef in Verbindung«, verkündete Kostja in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

Viteszlav erhob keine Einwände. Abermals sah er Timur Borissowitsch an und runzelte die Stirn.

Ich holte das Handy heraus und wählte Gesers Nummer.

»Irgendjemand hält uns hier zum Narren…«, meinte Viteszlav, dessen Wut sich jetzt Bahn brach. »Und dieser Jemand…«

»Befehlen Sie ihm, sich anzuziehen«, bat ich, während ich auf die langen Klingeltöne lauschte. »Oder muss ein älterer Mensch wirklich so gedemütigt werden? Wollen wir ihn in Unterhosen mitnehmen?«

Viteszlav rührte sich nicht, doch Timur Borissowitsch stand auf und fing gleichsam im Halbschlaf an, sich anzuziehen.

Verunsichert trat Edgar an mich heran. »Antwortet er nicht?«, fragte er teilnahmsvoll. »Ich an seiner Stelle…«

»Es wird noch lange dauern, bis man dir so eine Stelle anbietet«, bemerkte Viteszlav. »Wenn du nicht begreifst, wie man uns hereingelegt hat…«

Edgars Gesicht ließ darauf schließen, dass er nichts begriff. Genau wie ich, genau wie Kostja, der mit verdrehten Augen lautlos etwas flüsterte. »Ja, Anton…«, meldete sich Geser. »Gibt's was Neues?«

»Ich habe den Mann gefunden, dem man versprochen hat, aus ihm einen Anderen zu machen«, presste ich hervor.

Im Badezimmer senkte sich absolute Stille herab. Vermutlich lauschten alle auf die schwachen Töne aus dem Handy.

»Wunderbar!«, rief Geser aus. »Du bist einfach großartig. Setz dich jetzt unverzüglich mit denjenigen in Verbindung, die von der Tagwache und der Inquisition mit der Untersuchung betraut worden sind. Sie sollen sich den Ermittlungen anschließen. Irgendwo muss dieser tschechische Vampir rumspringen, dieser Viteszlav. Ein kluger Kerl, wenn auch ohne jeden Sinn für Humor… aber darunter leiden ja alle Vampire.«

Viteszlav wandte sich mir zu. Mit versteinerter Miene und glühenden Augen. Er hatte alles gehört. Und ich war bereit, einen Kasten tschechischen Biers gegen ein Fläschchen Kölnischwasser zu wetten, dass Geser nur zu genau wusste, dass Viteszlav neben mir stand.

»Viteszlav ist bereits hier«, sagte ich. »Ebenso Edgar und… ein Vertreter der Dunklen.«

»Hervorragend!«, frohlockte Geser. »Bitte unsern Gast aus Prag doch, mir ein Portal aufzuhängen… wenn er das bewältigt, natürlich nur. Dann stoße ich zu euch.«

Ich steckte das Handy weg und sah Viteszlav an. Meiner Ansicht nach hatte Geser es mit seinem Spott ein wenig übertrieben.

Doch woher sollte ich wissen, wie der alte Lichte Magier und der alte Vampir der Inquisition zueinander standen? Und welche Rechnungen sie miteinander zu begleichen hatten?

»Sie haben alles gehört«, lavierte ich.

»Ich möchte es von dir hören«, erwiderte Viteszlav.

»Das Haupt der Moskauer Nachtwache, der Helllichte Magier Geser, bittet Sie, ihm ein Portal aufzuhängen. Natürlich nur, wenn das in Ihren Kräfte liegt.«

Viteszlav blickte lediglich kurz zur Seite – und über der sprudelnden Jacuzzi zeichnete sich in der Luft ein feiner heller Rahmen ab. Wer durch diese merkwürdige Tür trat, würde unweigerlich im Wasser landen. »Kein Problem«, erwiderte Viteszlav kalt. »Edgar…«

Der ehemalige Dunkle Magier blickte ihm ergeben in die Augen.

»Das Dossier von diesem…«Viteszlav nickte in Timur Borissowitschs Richtung, der mit trägen Bewegungen seine Krawatte band. »Vermutlich liegt es unten, bei der Firma, die für die Sicherheit zuständig ist.«

Edgar verschwand. Um Zeit zu sparen, bewegte er sich durchs Zwielicht, um die Mappe zu holen. Kurz darauf erschien Geser im Badezimmer.

Nur dass er nicht durch das Portal kam, sondern direkt neben diesem das Badezimmer betrat, akkurat über die Bodenfliesen schreitend.

»Ich werde wirklich alt«, seufzte er. »Da komme ich neben der Tür raus…«Er sah Viteszlav an und bedachte ihn mit einem freudestrahlenden Lächeln. »Was für eine Begegnung. Warum bist du nicht mal bei mir vorbeigekommen?«

»Arbeit«, erwiderte Viteszlav einsilbig. »Ich denke, wir sollten die uns interessierenden Fragen so schnell als möglich klären…«

»Du verbringst zu viel Zeit hinterm Schreibtisch«, seufzte Geser. »Ein richtiger Bürokrat bist du geworden… Was haben wir denn? »

»Den hier…«, warf ich ein.

Geser lächelte mich ermutigend an und betrachtete dann Timur Borissowitsch.

Stille senkte sich herab. Selbst Kostja gab Ruhe und beendete sein lautloses Gespräch mit Sebulon, der es nicht sehr eilig hatte, hier aufzutauchen. Viteszlav schien förmlich zu erstarren. Ich versuchte, die Luft anzuhalten.

»Wie interessant«, meinte Geser. Er trat an Timur Borissowitsch heran, der teilnahmslos vor sich hinstierte, und berührte seine Hand. »Ei, ei, ei…«, seufzte er.

»Kennen Sie diesen Mann, Helllichter Geser?«, fragte Viteszlav.

Geser wandte sich uns mit einer Miene zu, die tiefsten Schmerz ausdrückte. »Glaubst du etwa, ich hätte meinen Instinkt völlig eingebüßt?«, fragte er bitter. »Das ist mein Blut, Viteszlav! Das ist mein Sohn! »

»Tatsächlich?«, fragte Viteszlav ironisch.

Geser beachtete ihn einfach nicht weiter. Er umarmte den älteren Mann, der nach menschlichen Dafürhalten sein Vater hätte sein können. Zärtlich strich er ihm über die Schulter. »Wo warst du nur all die Jahre, mein Junge…«, flüsterte er. »Und unter welchen Umständen begegnen wir uns jetzt… Aber man hat mir gesagt, du seist gestorben… An Diphtherie, hieß es…«

»Meine aufrichtigen Glückwünsche, Geser«, sagte Viteszlav. »Aber ich würde gern ein paar Erklärungen bekommen!«

Edgar kehrte ins Badezimmer zurück. Verschwitzt, mit der Mappe unterm Arm.

»Das ist eine einfache Geschichte, Viteszlav«, erwiderte Geser, der seinen Sohn, diesen alten Mann, noch immer im Arm hielt. »Vor dem Krieg habe ich in Usbekistan gearbeitet. Samarkand, Buchara, Taschkent… Ich war verheiratet. Dann beorderte man mich nach Moskau. Ich wusste, dass ich Vater eines Jungen geworden war, habe meinen Sohn jedoch nicht ein einziges Mal gesehen. Es war halt… Krieg. Dann starb die Mutter des Kleinen. Und seine Spuren verloren sich.«

»Und selbst du konntest ihn nicht finden?«, fragte Viteszlav ungläubig.

»Selbst ich nicht. Aus den Unterlagen ging hervor, dass er gestorben war. An Diphtherie…«

»Das ist eine mexikanische Telenovela«, platzte Edgar heraus. »Helllichter Geser, wollen Sie uns weismachen, dass Sie diesen Menschen noch nie getroffen haben? »

»Nicht einmal«, meinte Geser traurig.

»Sie haben nie mit ihm gesprochen, ihm nicht – entgegen allen Gesetzen – vorgeschlagen, ein Anderer zu werden?«, ließ Edgar nicht locker.

Geser bedachte den Magier mit einem ironischen Blick. »Ihnen sollte doch bekannt sein, verehrter Inquisitor, dass ein Mensch kein Anderer werden kann. »

»Antworten Sie auf die Frage!«, bat – oder befahl – Edgar.

»Ich habe ihn noch nie gesehen, noch nie mit ihm gesprochen und ihm nichts versprochen. Ich habe den Wachen und der Inquisition keinen Brief geschickt! Ich habe niemanden gebeten, sich mit ihm zu treffen oder diese Briefe abzuschicken! Möge das Licht meine Worte bezeugen!«, skandierte Geser. Er streckte einen Arm aus und auf seinem Handteller flackerte kurz ein weißes Feuer auf. »Wollt ihr meine Worte etwa anzweifeln? Wollt ihr behaupten, ich sei dieser Verräter?«

Er wuchs über sich hinaus, als sei in ihm eine Feder hochgeschnellt. Mit Gesers Blick hätte man jetzt Nägel einschlagen können.

»Wollt ihr mich anklagen?«, fuhr Geser mit erhobener Stimme fort. »Du, Edgar? Oder du, Viteszlav?«

Kostja wich nicht rechtzeitig aus und bekam ebenfalls eine Portion von dem versengenden Blick ab. »Oder du, kleiner Vampir?«

Selbst ich wollte mich verstecken. Doch in den Tiefen meiner Seele musste ich lachen. Geser hatte alle reingelegt! Wie genau, wusste ich nicht – aber reingelegt hatte er sie!

»Wir würden an dergleichen nicht einmal denken, Helllichter Geser.«Viteszlav neigte als Erster den Kopf. »Edgar, Ihre Fragen waren unhöflich formuliert.«

»Ich bitte um Entschuldigung.«Edgar ließ den Kopf hängen. »Verzeihen Sie mir, Helllichter Geser. Es tut mir aufrichtig leid.«

Kostja sah sich voller Panik um. Erwartete er Sebulon? Nein, vermutlich nicht. Im Gegenteil, er wünschte, das Haupt der Dunklen möge nicht auftauchen und diesem hagelnden Spott ausgesetzt werden.

Und Sebulon würde nicht auftauchen, das hatte ich bereits begriffen. Der europäische Vampir hatte ungeachtet seiner Kraft und seiner jahrhundertealten Weisheit jede Erfahrung bezüglich fein gesponnener Intrigen eingebüßt und war in eine Falle getappt. Sebulon jedoch hatte sofort begriffen: Geser würde nie so dumm sein und sich derart ausliefern.

»Ihr seid über meinen Sohn hergefallen«, sagte Geser traurig. »Wer hat ihm diese Willenlosigkeit auferlegt? Du, Konstantin? »

»Nein!«, schrie Kostja panisch.

»Das war ich«, bekannte Viteszlav finster. »Soll ich den Zauber aufheben?«

»Aufheben?«, brüllte Geser. »Ihr habt an meinem Kleinen eine magische Intervention vorgenommen! Könnt ihr euch vorstellen, was für einen Schock das für ihn bedeutet? In seinem Alter? Und wie weiter? Was soll er jetzt werden, nach seiner Initiierung? Ein Dunkler?«

Mir traten die Augen aus den Höhlen. Kostja piepte leise etwas. Edgar klapperte mit den Zähnen.

Und vermutlich sahen wir alle gleichzeitig Timur Borissowitsch durchs Zwielicht an.

Die Aura des potenziellen Anderen ließ sich absolut deutlich erkennen.

Timur Borissowitsch brauchte seinen Hals nicht den Eckzähnen eines Vampirs oder eines Tiermenschen darzubieten. Er konnte durchaus ein ordentlicher Magier werden. Vierten oder fünften Grades. Bedauerlicherweise wohl eher ein Dunkler Magier… Aber…

»Was soll ich jetzt tun?«, fragte Geser. »Ihr habt euch auf meinen Jungen gestürzt, ihn erschreckt, ihm euren Willen aufgezwungen…«

Der angegraute»Junge«fuhr mit tauben Fingern über die Krawatte und versuchte immer noch, den Windsorknoten sorgfältiger zu binden.


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