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Wächter des Zwielichts
  • Текст добавлен: 29 сентября 2016, 04:49

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Автор книги: Сергей Лукьяненко



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Zwei

Geser hörte mir mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. An manchen Stellen hakte er nach, schwieg dann, seufzte und ächzte. Ich lümmelte mich in der Hängematte, das Handy in der Hand, und erstattete ausführlich Bericht… Nur das Fuaran, das die Hexe besaß, verschwieg ich.

»Gute Arbeit, Anton«, meinte Geser schließlich. »Wirklich gut. Du hast dich da nicht auf die faule Haut gelegt. »

»Was soll ich jetzt tun?«, fragte ich.

»Du musst die Hexe finden«, erwiderte Geser. »Sie hat zwar nichts Böses angerichtet, muss sich aber registrieren lassen. Na ja… die übliche Prozedur, du weißt Bescheid. »

»Und die Werwölfe?«, wollte ich wissen.

»Vermutlich Moskauer, die auf Tournee im Umland sind«, kommentierte Geser gelassen. »Ich werde den Befehl geben, alle Werwölfe zu überprüfen, die mehr als drei Kinder mit Anlagen zum Tiermenschen haben. »

»Es gab insgesamt nur drei Junge«, erinnerte ich ihn.

»Der Werwolf könnte nur die ältesten mit auf Jagd genommen haben«, erklärte Geser. »In der Regel sind es große Familien… Im Dorf haben sich nicht gerade irgendwelche verdächtigen Leute auf den Datschen einquartiert? Also ein Erwachsener und drei oder mehr Kinder? »

»Nein«, bedauerte ich. »Daran haben Sweta und ich sofort gedacht… Nur Anna Viktorowna ist mit ihren beiden Kindern gekommen, alle andern haben entweder keine oder nur ein Kind. Wir haben eine Geburtenkrise im Land…«

»Von der demographischen Situation ist mir auch schon etwas zu Ohren gekommen«, unterbrach mich Geser amüsiert. »Was ist mit den Dorfbewohnern?«

»Es gibt große Familien, aber Swetlana kennt die aus dem Dorf alle gut. Die sind sauber, das sind ganz gewöhnliche Menschen.«

»Also müssen es Leute von auswärts sein«, schlussfolgerte Geser. »Soweit ich es verstanden habe, ist im Dorf niemand verschwunden. Gibt es in der Nähe vielleicht Pensionen oder Hotels?«

»Ja«, entgegnete ich. »Auf der andern Seite des Flusses, rund fünf Kilometer entfernt, ist ein Pionierlager… oder wie die Dinger jetzt heißen. Ich habe schon herausgekriegt, dass dort alles in Ordnung ist und kein Kind vermisst wird. Man lässt sie auch gar nicht zum Fluss hinunter, das ist ein Lager mit militärischer Disziplin, ziemlich streng. Schlafengehen, Aufstehen, fünf Minuten zum Anziehen. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen.«

Geser krächzte missmutig. »Brauchst du Hilfe, Anton?«, fragte er.

Ich dachte nach. Das war die entscheidende Frage, auf die ich bislang noch keine Antwort hatte finden können.

»Ich weiß es nicht. Die Hexe ist anscheinend stärker als ich. Aber ich will sie ja nicht ermorden… und das sollte sie spüren.«

Weit, weit weg, in Moskau, versank Geser tief in Gedanken. »Swetlana soll die Wahrscheinlichkeitslinien überprüfen«, stieß er dann hervor. »Wenn für dich keine große Gefahr besteht… dann versuch, allein mit der Sache klarzukommen. Wenn sie höher als zehn, zwölf Prozent ist… dann…«Er zögerte, fuhr dann aber recht munter fort: »Dann kommen Ilja und Semjon. Oder Danila und Farid. Zu dritt schafft ihr das.«

Ich lächelte. Dein Plan sieht anders aus, Geser. Ganz anders. Du hoffst, dass mich im Notfall Swetlana rettet. Und dann in die Nachtwache zurückkehrt…

»Außerdem hast du noch Swetlana«, meinte Geser abschließend. »Du überblickst das Ganze. Also mach dich an die Arbeit und gib mir im Notfall Bescheid.«

»Zu Befehl, mon général«, konterte ich. Denn Bescheid zu geben – das hatte Geser in ausgesprochenem Befehlston verlangt.

»Militärisch gesprochen, Oberstleutnant«, fuhr mich Geser prompt an, »läge mein Dienstgrad nicht unter dem eines Generalissimus. Genug, mach dich an die Arbeit.«

Nachdem ich das Telefon weggesteckt hatte, verglich ich kurz die Kraftstufen mit den Armeerängen. Siebter Grad einfacher Soldat, sechster Sergeant, fünfter Leutnant, vierter Hauptmann, dritter Major, zweiter Oberstleutnant, erster Oberst.

Gut, wenn man großzügig war und die Unterteilung innerhalb der einzelnen Ränge außer Acht ließ, dann wäre ich ein Oberstleutnant. Während der General für einen gewöhnlichen Magier außerhalb jeder Kategorie zu reservieren war. Geser jedoch war ein ungewöhnlicher Magier!

Die Pforte klapperte, und Ljudmila Iwanowna trat ein. Meine Schwiegermutter. Die unermüdliche Nadjuschka wirbelte um sie herum. Kaum war sie in den Garten gekommen, warf sie sich johlend in die Hängematte.

Ja, meine Tochter war noch nicht initiiert. Doch sie spürte ihre Eltern. Und ihren Alltag prägte noch vieles mehr, was normale zweijährige Mädchen nicht kennen. Zum Beispiel fürchtete sie sich vor keinem einzigen Tier, während alle Tiere sie mochten. Hunde und Katzen wichen ihr überhaupt nicht von der Seite… Mücken bissen sie nicht.

»Papka«, meinte Nadja, während sie auf mich kraxelte. »Wir sind spazieren gewesen.«

»Guten Tag, Ljudmila Iwanowna«, begrüßte ich meine Schwiegermutter. Für alle Fälle: Denn heute Morgen hatten wir uns auch schon begrüßt.

»Du ruhst dich aus?«, fragte meine Schwiegermutter ungläubig. Nein, mein Verhältnis zu ihr war gut. Kein sprichwörtliches. Trotzdem hatte ich den Eindruck, sie wolle mir ständig irgendetwas vorwerfen. Dass ich ein Anderer war, zum Beispiel – wenn sie denn etwas von den Anderen gewusst hätte.

»Ein bisschen«, antwortete ich munter. »Seid ihr weit weg gewesen, Nadja? »

»Ja.«

»Bist du jetzt müde? »

»Ja«, bestätigte Nadka, »aber Oma ist noch mehr müde.«

Ljudmila Iwanowna blieb kurz stehen, als überlege sie, ob sie einem Nichtsnutz wie mir seine eigene Tochter anvertrauen konnte. Offenbar beschloss sie, es zu wagen. Sie ging ins Haus.

»Und wohin gehst du?«, fragte Nadjuschka, wobei sie meine Hand kräftig drückte.

»Habe ich denn gesagt, dass ich irgendwohin gehe?«, wunderte ich mich.

»Nein…«, räumte Nadka ein und zerzottelte sich mit ihrem kleinen Händchen das Haar. »Aber du gehst doch? »

»Ja«, gab ich zu.

Eben. Wenn ein Kind ein potenzieller Anderer ist – noch dazu von solcher Kraft -, verfügt es von Geburt an über die Gabe, in die Zukunft zu sehen. Vor einem Jahr hatte Nadka eine Woche vor dem Zeitpunkt, als die ersten Zähne durchkamen, angefangen zu weinen.

»La, la, la…«, fing Nadja an zu singen und guckte zum Zaun hinüber. »Der Zaun muss gestrichen werden! »

»Hat Oma das gesagt?«, wollte ich wissen.

»Ja. Wenn hier ein richtiger Mann wäre, würde er den Zaun streichen«, wiederholte Nadjuschka inbrünstig die Worte. »Aber hier ist kein richtiger Mann, da muss Oma selbst streichen.«Ich seufzte.

Zum Teufel mit diesen Datschenfanatikern! Warum müssen Menschen auf ihre alten Tage unbedingt in sich die Leidenschaft entdecken, in der Erde zu buddeln? Ob sie sich schon mal an sie gewöhnen wollen?

»Oma hat einen Spaß gemacht«, sagte ich und klopfte mir auf die Brust. »Hier gibt es einen richtigen Mann, und der wird auch den Zaun streichen! Im Notfall streicht er sogar alle Zäune im ganzen Dorf. »

»Ein richtiger Mann«, wiederholte Nadka und lachte los.

Ich vergrub das Gesicht in ihrem Haar und pustete. Nadjuschka fing gleichzeitig zu kichern und zu strampeln an. Ich blinzelte Swetlana zu, die gerade aus dem Haus kam, und setzte meine Tochter auf der Erde ab. »Lauf zu Mama.«

»Nein, lieber zu Oma«, meinte Swetlana, als sie Nadja auffing. »Milch trinken. »

»Ich will keine Milch! »

»Du brauchst sie«, entgegnete Swetlana.

Darauf widersprach Nadjuschka nicht, sondern steuerte widerspruchslos auf die Küche zu. Selbst bei Menschen gibt es ein seltsames wortloses Verstehen zwischen Mutter und Kind. Was wollte man da erst über uns sagen? Nadja spürte genau, wann sie sich Mätzchen leisten konnte – und wann sie es besser bleiben ließ.

»Was hat Geser gesagt?«, fragte Swetlana, während sie sich neben mich setzte. Die Hängematte schaukelte.

»Er hat mir die Wahl gelassen. Ich kann die Hexe allein suchen oder Hilfe rufen. Was meinst du?«

»Soll ich für dich in die Zukunft schauen?«, wollte Swetlana wissen. »Hm.«

Swetlana schloss die Augen und streckte sich in der Hängematte aus. Ich zog ihre Beine gerade und legte sie mir über die Knie. Von außen betrachtet die reinste Idylle. Eine attraktive Frau lag in einer Hängematte und entspannte sich. Neben ihr saß ihr Mann, der ihr hingebungsvoll über die Hüfte streichelte…

Auch ich konnte in die Zukunft sehen. Jedoch viel schlechter als Swetlana, denn das gehörte nicht zu meinem Spezialgebiet. Außerdem brauchte ich dafür weitaus länger, und meine Prognose traf nicht immer zu. Swetlana schlug die Augen auf. Sah mich an. »Und?«Ich konnte mich nicht beherrschen.

»Streichel mich ruhig weiter«, lächelte sie. »Es ist alles sauber. Ich sehe keine Gefahr.«

»Anscheinend hat die Hexe genug von ihrem niederträchtigen Tun«, feixte ich. »Na gut. Ich werde ihr einen mündlichen Verweis wegen der nicht erfolgten Registrierung erteilen.«

»Ihre Bibliothek beunruhigt mich«, gab Swetlana zu. »Warum hockt sie mit solchen Büchern tief im Wald?«

»Kann doch sein, dass sie die Stadt einfach nicht mag«, entgegnete ich. »Sie braucht den Wald, die frische Luft…«

»Warum dann das Moskauer Umland? Sie hätte doch nach Sibirien fahren können, da ist die Umwelt auch noch nicht so verschmutzt, und es gibt dort die seltensten Kräuter. Oder in den Fernen Osten.«

»Sie ist von hier«, meinte ich lächelnd. »Und sie ist ihrer kleinen Heimat treu.«

»Irgendwas stimmt hier nicht«, meinte Swetlana verärgert. »Ich kann die Geschichte mit Geser einfach nicht vergessen… Und hier hockt eine Hexe!«

»Warum stößt dir die Sache mit Geser immer wieder auf?«, fragte ich achselzuckend. »Er wollte aus seinem Sohn einen Lichten machen. Ich kann ihn dafür nicht mal verurteilen. Stell dir doch mal vor, welche Schuldgefühle er gegenüber seinem Sohn empfunden haben muss… Er hat geglaubt, der Junge sei tot…«

Swetlana setzte ein ironisches Lächeln auf. »Nadjuschka sitzt gerade auf einem Hocker, baumelt mit den Beinen und will, dass die Haut von der Milch abgeschöpft wird. »

»Ja und?«Ich wusste nicht, was sie meinte.

»Ich spüre, wo sie ist und wie es ihr geht«, erklärte Swetlana. »Weil sie meine Tochter ist. Und weil sie eine Andere ist. Dabei bin ich schwächer als Geser oder Olga…»

»Sie haben geglaubt, ihr Sohn sei gestorben…«, murmelte ich.

»Das kann nicht sein!«, widersprach Swetlana hart. »Geser ist kein gefühlloser Baumstumpf. Er hätte spüren müssen, dass der Junge noch am Leben ist, verstehst du? Und Olga erst recht. Er ist ihr Fleisch und Blut… Sie hätte nicht glauben dürfen, dass der Junge gestorben ist. Als sie erst einmal erfahren hatten, dass ihr Sohn am Leben war, stellte alles Weitere kein Problem mehr dar. Geser verfügt jetzt genau wie vor fünfzig Jahren über genügend Kraft, um im ganzen Land das Unterste zuoberst zu kehren und seinen Sohn zu finden.«

»Willst du damit sagen, sie hätten ihn absichtlich nicht gesucht?«, fragte ich. Swetlana schwieg. »Oder…«

»Oder«, bestätigte Swetlana. »Oder der Junge war in der Tat ein Mensch. Dann ginge das Puzzle auf. Dann mussten sie an seinen Tod glauben und konnten ihn nur absolut zufällig finden.«

»Das Fuaran«, meinte ich. »Ob diese Hexe irgendwas mit den Ereignissen im Assol zu tun hat?«

Swetlana zuckte die Schultern. »Ich würde schrecklich gern mit dir in den Wald gehen, Anton«, versicherte sie seufzend. »Um diese gute Frau und Botanikerin zu finden, sie nach allem Möglichen zu fragen…«

»Aber du kommst nicht mit«, sagte ich.

»Genau. Ich habe geschworen, an keiner Operation der Nachtwache teilzunehmen.«

Ich verstand sie. Teilte Swetlanas Groll auf Geser. Außerdem hätte ich es ohnehin vorgezogen, Swetlana nicht mitzunehmen… Es war nicht ihre Aufgabe, Hexen im Wald aufspüren.

Aber um wie vieles leichter und einfacher wäre es, wenn wir zusammenarbeiten würden!

Ich stand auf. Seufzte. »Gut, ich will hier nicht rumtrödeln. Die größte Hitze haben wir hinter uns, da werde ich mich mal in den Wald aufmachen. »

»Es ist bald Abend«, bemerkte Swetlana.

»Ich hab es ja nicht weit. Die Kinder haben gesagt, die Hütte sei ganz in der Nähe.«

»Gut«, nickte Swetlana. »Aber wart noch einen Moment, ich mache dir ein paar Brote fertig. Und fülle dir etwas Obstsaft in eine Flasche ab.«

Während ich auf Swetlana wartete, spähte ich vorsichtig in den Schuppen. Mir blieb die Spucke weg. Nicht nur, dass Onkel Kolja den halben Motor auseinander genommen und die Teile auf dem Boden ausgebreitet hatte, nein, neben ihm hing ein weiterer Dorfalkoholiker mit Feuereifer über dem Motor, ein gewisser Andrjucha oder Serjoga. Völlig dem Kampf gegen die deutsche Technik anheim gefallen, hatten die beiden noch nicht einmal den von der mitleidigen Swetlana gebrachte Flachmann angerührt. Onkel Kolja brummte vor sich hin:

Springt der Motor mal nicht an, Lass mich und meinen Kumpel ran.

Auf Zehenspitzen entfernte ich mich vom Schuppen. Zum Kuckuck mit dem Wagen…

Swetlana stattete mich aus, als wolle ich nicht einen Waldspaziergang machen, sondern müsse in der Taiga überleben.

Eingepackte Brote, eine Flasche mit Obstsaft, ein gutes Taschenmesser, Streichhölzer, ein Döschen mit Salz, zwei Äpfel und eine kleine Taschenlampe.

Außerdem überprüfte sie, ob mein Handy noch geladen war. Angesichts der bescheidenen Ausmaße des Waldes war das Handy durchaus nicht überflüssig: Im Notfall könnte ich auf einen Baum klettern – von dort würde ich mit Sicherheit eine Verbindung kriegen.

Meinen MD-Player packte ich selbst ein. Während ich jetzt langsam Richtung Wald marschierte, hörte ich Simowje swerej.

 
Die alte Stadt schlief längst schon ein,
Es zittert der gequälte Stein,
Die Nacht, bedroht von Todespein,
Hüllt sich in Schweigen.
Die alte Stadt schlief längst schon ein,
Nun spricht der fahle trübe Schein
Zu euch als Echo – dürft ihm kein
Vertrauen zeigen.
 
 
In Bücherein schläft Band an Band,
Voll sind die Scheuern bis zum Rand,
Genies verlieren den Verstand
Des Nachts auf Wacht.
Das Dunkel hat mit schwerer
Hand Die Unterschiede fortgebannt:
Das Kapitol, die Kerkerwand
Sind gleichgemacht.
 

Große Hoffnungen, noch heute Abend auf die Hexe zu stoßen, hegte ich nicht. Besser sollte ich morgen früh aufbrechen, obendrein mit einem Team. Aber ich wollte die Verdächtige ja unbedingt selbst finden! Und einen Blick in das Buch Fuaran werfen.

Am Waldrand blieb ich kurz stehen, um mir die Welt durchs Zwielicht anzusehen. Nichts Besonderes. Nicht die geringste Spur von Magie. Nur in der Ferne, über unserem Haus, blinkte weißer Feuerschein auf. Eine Zauberin ersten Grades ist von weither zu erkennen… Gut, weiter. Ich hob meinen Schatten auf und trat ins Zwielicht ein.

Der Wald verwandelte sich in wabbeligen Höhenrauch, in Düsternis. Nur einzelne, nur die größten Bäume hatten in der Zwielicht-Welt einen Doppelgänger. Wo waren die Kinder aus dem Wald gekommen?

Ich fand ihre Spur relativ schnell. In ein paar Tagen würde die zarte Kette von Abdrücken wohl geschmolzen sein, aber jetzt ließ sie sich noch erkennen. Kinder hinterlassen klare Spuren, in denen viel Kraft liegt. Klarer sind nur noch die Spuren von Schwangeren.

Von der Botanikerin fand ich keine Spuren. Freilich, sie konnten auch verschwunden sein. Aber vermutlich achtete diese Hexe seit langem darauf, keine Spuren zu hinterlassen.

Die Spuren der Kinder hatte sie allerdings nicht beseitigt! Warum nicht? Aus Nachlässigkeit? Der berühmte russische Schlendrian? Oder absichtlich? Aber Rätselraten würde ich hier bestimmt nicht veranstalten.

Ich speicherte die Fußabdrücke der Kinder in meinem Gedächtnis ab und trat aus dem Zwielicht. Die Spuren sah ich nun zwar nicht mehr, spürte jedoch, wohin sie führten. Ich konnte mich auf den Weg machen.

Zunächst maskierte ich mich jedoch noch sorgfältig. Natürlich ließ sich das nicht mit jener Schutzhülle vergleichen, die Geser für mich geschaffen hatte. Trotzdem würde mich ein Magier, der schwächer war als ich, für einen Menschen halten. Womöglich überschätzten wir die Kräfte dieser Hexe?

Die erste halbe Stunde sah ich mir meine Umgebung aufmerksam an, betrachtete jedes verdächtige Gebüsch durchs Zwielicht und wirkte hin und wieder einen einfachen Suchzauber. Kurzum, ich ging strikt nach Lehrbuch vor, wie ein disziplinierter Anderer, der eine Razzia durchführt.

Dann reichte es mir. Um mich herum war Wald, ein kleiner, nicht ganz gesunder Wald, der aber immerhin noch nicht den Touristen zum Opfer gefallen war. Ob das vielleicht daran lag, dass der ganze Wald nur fünfzig mal fünfzig Kilometer maß? Immerhin trieben sich hier allerlei Waldbewohner wie Eichhörnchen, Hasen und Füchse herum. Wölfe – echte, keine Werwölfe – gab es in ihm natürlich nicht. Auf die können wir allerdings auch gut verzichten. Dafür gab es allerlei Essbares: Einmal setzte ich mich neben einen Strauch mit wilden Himbeeren und pflückte innerhalb von zehn Minuten die bereits leicht vertrockneten, süßen Früchte. Dann stieß ich auf eine ganze Siedlung von Steinpilzen. Aber was heißt Siedlung? Auf eine wahre Metropole! Große, nicht wurmstichige Steinpilze, nicht irgendwelches Murkelzeug, und kein Hallimasch oder Röhrenpilz dazwischen. Nicht einmal geahnt hatte ich, dass ein paar Kilometer vom Dorf entfernt ein solcher Schatz lag!

Einen Moment lang schwankte ich. Ob ich nicht all die Pilze sammeln, nach Hause bringen und zum Erstaunen von meiner Schwiegermutter und zur Freude Swetlanas auf dem Tisch ausbreiten sollte? Und wie Nadka erst vor Begeisterung jauchzen und gegenüber den Nachbarskindern mit ihrem erfolgreichen Papa angeben würde!

Dann fiel mir ein, dass bei einer solchen Beute (schließlich würde ich sie nicht heimlich ins Haus schmuggeln können) das ganze Dorf im Wald auf Pilzjagd gehen würde. Auch die Trinker aus der Gegend, die sich freuen würden, die Pilze am Straßenrand verscherbeln zu können, um sich hinterher Wodka zu kaufen. Und die alten Frauen, die sich hauptsächlich von dem ernährten, was sie fanden. Und alle Kinder aus dem Dorf. Aber irgendwo hier im Wald trieben sich Werwölfe rum…

»Sie würden es nicht glauben…«, sagte ich bitter, während ich auf die Pilzlichtung blickte.

Gebratene Steinpilze, o ja, das wär was. Ich schluckte meine Spucke herunter und folgte meiner Spur. Keine fünf Minuten später stieß ich auf ein Holzhäuschen.

Genau wie die Kinder es beschrieben hatten. Ein kleines Haus, winzige Fenster, kein Zaun, kein Schuppen, kein Gemüsegarten. Niemals hätte irgendjemand solche Häuser im Wald errichtet. Selbst das kleinste Waldhüterhäuschen hat noch ein hölzernes Vordach.

»He, Hausherren!«, rief ich. »Holla!«Niemand antwortete.

»Hüttlein, Hüttlein«, murmelte ich. »Den Rücken jetzt zum Walde dreh, damit ich durch die Türe geh…«

Doch die Hütte rührte sich nicht. Außerdem stand sie ohnehin schon mit dem Gesicht zu mir. Plötzlich fühlte ich mich ungeheuer schlau – ganz wie Stirlitz in den Witzen.

Gut, genug der Dummheiten. Ich gehe da jetzt rein, falls die Frau nicht zu Hause sein sollte, warte ich auf sie…

Ich ging auf die Tür zu, berührte die verrostete Eisenklinke -und in diesem Moment, als habe jemand nur darauf gewartet, öffnete sich die Tür.

»Guten Tag«, sagte eine etwa dreißigjährige Frau lächelnd. Eine sehr schöne Frau…

Aus irgendeinem Grund hatte ich sie mir nach den Erzählungen von Romka und Xjuscha älter vorgestellt. Außerdem hatten sie ihre äußere Erscheinung mit keinem Wort erwähnt – und in meinem Kopf hatte sich das typische Bild einer»einfachen Frau«gebildet. Ich Idiot! »Schön«, das hieß für so kleine Kinder»ein prachtvolles Kleid«. In ein oder zwei Jahren würde Xjuscha vermutlich begeistert und verzückt berichten: »Und wie schön die Tante war!«Und als Beispiel Natalia Oreiro oder ein aktuelles Mädchenidol nennen.

Die Frau trug jedoch bloß Jeans und ein einfaches kariertes Hemd von der Art, wie sie sowohl Männer als auch Frauen anziehen.

Hochgewachsen, aber nur so, dass ein Mann von mittlerer Größe keine Minderwertigkeitskomplexe entwickelte. Schlank, aber nicht mager. So lange und wohlgeformte Beine, dass man am liebsten losschreien wollte: »Weshalb steckst du in Jeans, du Idiotin, steig sofort in einen Minirock!«Busen – hm, mancher sieht vielleicht lieber zwei Silikonmelonen, mancher bevorzugt eine knabenhaft flache Brust, aber ein normaler Mann hält sich in dieser Frage an die gesunde Mitte. Die Hände… Ich habe keine Ahnung, ob Hände erotisch sein können. Aber ihre waren es. So, dass dir sofort der Gedanke durch den Kopf schießt, diese Finger müssten dich berühren…

Bei einer solchen Figur braucht eine Frau kein attraktives Gesicht zu haben. Sie jedoch hatte auch das. Rabenschwarze Haare, große Augen, die lächelten und betörten. Ebenmäßige Gesichtszüge, allerdings mit kleinen Abweichungen vom Ideal, die das Auge zwar gar nicht bemerkte, die es jedoch erlaubten, sie als lebendige Frau zu betrachten und nicht als Kunstprodukt. »Gu-Guten Tag«, flüsterte ich.

Was war mit mir? Man konnte ja glauben, ich sei auf einer unbewohnten Insel aufgewachsen und hätte noch nie eine Frau gesehen!

»Sie sind Romans Vater, oder?«, wollte die Frau mit strahlendem Lächeln wissen. »Was?«, fragte ich begriffsstutzig zurück.

Die Frau wurde leicht verlegen. »Entschuldigen Sie… Hier hat sich vor ein paar Tagen ein Junge im Wald verlaufen, den ich zu seinem Dorf zurückgebracht habe. Er hat ebenfalls gestottert… leicht. Da habe ich gedacht…«Na toll! Einfach großartig!

»Normalerweise stottere ich nicht«, murmelte ich. »Normalerweise plapper ich allerlei Unsinn zusammen. Aber ich habe nicht damit gerechnet, im Wald einer so schönen Frau zu begegnen, das hat mich völlig aus dem Konzept gebracht.«

Die»so schöne Frau«lachte. »Und diese Worte? Sind die auch Unsinn? Oder die Wahrheit? »

»Die Wahrheit«, gestand ich.

»Kommen Sie rein.«Sie machte einen Schritt zur Seite. »Vielen Dank, hier bekomme ich nicht oft Komplimente zu hören…«

»Hier kommen wohl auch nicht oft Leute vorbei«, bemerkte ich, während ich das Haus betrat und mich umsah.

Keine Spuren von Magie. Eine etwas merkwürdige Einrichtung für ein Haus mitten im Wald, aber warum auch nicht. Und in der Tat: ein Bücherschrank mit alten Folianten… Aber die Frau hatte nichts von einer Anderen an sich.

»Hier in der Nähe sind zwei Dörfer«, erklärte die Frau. »Das, zu dem ich die beiden Kinder gebracht habe, und eins, das etwas größer ist. Dort mache ich meine Einkäufe, der Laden hat jeden Tag auf. Aber mit Komplimenten werde ich da nicht überschüttet.«Sie lächelte erneut. »Ich heiße Arina. Nicht Irina, sondern Arina.«

»Anton«, stellte ich mich vor. Um dann mit meiner exzellenten Grundschulbildung zu glänzen: »Arina wie die Kinderfrau Puschkins?«

»Genau, ihr zu Ehren wurde ich so genannt«, lächelte die Frau. »Mein Vater hieß Alexander Sergejewitsch, meine Mutter war besessen von Puschkin. Fanatisch, wenn man so will. Und deshalb habe ich diesen Namen bekommen…«

»Und warum nicht Anna, zu Ehren der Kern? Oder Natalja, zu Ehren der Gontscharowa?«

»Sie stellen Fragen…«Die Frau schüttelte den Kopf. »Meine Mutter glaubte, all diese Frauen hätten in Puschkins Leben eine verhängnisvolle Rolle gespielt. Sicher, sie dienten ihm als Quelle der Inspiration, aber als Mensch hat er ihretwegen sehr gelitten… Während seine Kinderfrau… Sie hat nichts verlangt, hat Sascha hingebungsvoll geliebt…»

»Sind Sie Philologin?«, ließ ich einen Versuchsballon steigen.

»Was hätte eine Philologin hier im Wald verloren?«, amüsierte sich Arina. »Setzen Sie sich, ich mache Ihnen einen Tee, einen wohlschmeckenden Kräutertee. Alle Welt ist jetzt hinter Mate, Rooibosch und diesen ganzen ausländischen Sachen her. Aber ein Russe, das sagen ich Ihnen ganz offen, braucht diesen exotischen Kram nicht. Unsere eigenen Kräuter reichen völlig. Oder normaler Tee, der schwarze, schließlich sind wir keine Chinesen, die grünes Wasser trinken. Oder Waldkräuter. Das können Sie gleich selbst feststellen…»

»Sie sind Botanikerin«, meinte ich niedergeschlagen.

»Richtig!«Arina lachte. »Und Sie sind bestimmt nicht Romans Vater?«

»Nein, ich…«, ich geriet ins Stocken und flüchtete zur bequemsten Ausrede. »Ich bin ein Freund seiner Mutter. Vielen Dank, dass sie die Kinder gerettet haben.«

»Nun habe ich sie gleich gerettet«, meinte Arina lächelnd. Sie stand mit dem Rücken zu mir und gab getrocknete Kräuter in die kleine Kanne, in der der Sud aufgebrüht wurde. Hiervon einer Prise, davon ganz wenig, ein Löffel von dem hier… Unwillkürlich blieb mein Blick an dem Teil der ausgeblichenen Jeans hängen, der den kräftigen Hintern umspannte. Irgendwie wusste ich sofort, dass ihr Hintern straff war und jede Anzeichen der Lieblingskrankheit städtischer Damen, der Zellulitis, vermissen ließ. »Xjuscha ist ein kluges Mädchen, die beiden hätten auch allein wieder herausgefunden. »

»Und die Wölfe?«, fragte ich.

»Was für Wölfe, Anton?«Erstaunt sah Arina mich an. »Ich habe schon den beiden gesagt: Das war ein streunender Hund. Woher sollten in einem Wäldchen wie diesem Wölfe kommen?«

»Ein wilder Hund, noch dazu mit Jungen, kann ebenfalls gefährlich sein«, bemerkte ich.

»Hm… vermutlich haben Sie Recht.«Arina seufzte. »Auf alle Fälle glaube ich, dass der Hund sich nicht auf die beiden gestürzt hätte. Hunde fallen Kinder nur selten an, man muss ein Tier schon sehr reizen, damit es dergleichen tut. Menschen sind weitaus gefährlicher als Tiere…«Wogegen sich in der Tat nichts einwenden ließ…

»Langweilen Sie sich nicht, so im tiefen Wald?«, wechselte ich das Thema.

»Ich bin doch nicht hierher verbannt«, amüsierte sich Arina. »Ich bin nur den Sommer über hier, um meine Dissertation zu schreiben. Die Ethnogenese einiger Kreuzblütler in Mittelrussland.«

»Sie wollen promovieren?«, fragte ich ein wenig neidisch. Aus irgendeinem Grund bedauerte ich noch immer, dass ich meine Diss nicht zu Ende gebracht hatte. Und zwar deshalb nicht, weil ich ein Anderer geworden war und mich das ganze wissenschaftliche Geplänkel mit einem Mal genervt hatte. Es hatte genervt – dennoch bedauerte ich es jetzt…

»Ja«, antwortete Arina mit verständlichem Stolz. »Im Winter will ich sie verteidigen…«

»Haben Sie Ihre wissenschaftliche Bibliothek mit hierher gebracht?«, fragte ich und nickte in Richtung Schrank.

»Ja«, meinte Arina. »Es war natürlich dumm, das alles hier anzuschleppen. Aber ein… Bekannter hat mich hergebracht. Im Jeep. Die Gelegenheit habe ich genutzt und meine ganze Bibliothek hierher verfrachtet.«

Ich fragte mich, ob ein Jeep durch diesen Wald fahren konnte. Hinter dem Haus schien es einen recht breiten Pfad zu geben… vermutlich hätte er es also geschafft…

Ich ging zum Schrank, um mir die Bücher aufmerksam anzusehen.

Das war in der Tat die gut sortierte Bibliothek einer Botanikerin. Alte Wälzer aus dem frühen 20. Jahrhundert, bei denen im Vorwort ein Loblied auf die Partei und den Genossen Stalin höchstselbst angestimmt wurde. Aber auch noch ältere, die aus der Zeit vor der Revolution stammten. Und eine Unzahl einfacher, zerlesener Bände von vor zwanzig, dreißig Jahren.

»Der größte Teil ist Mist«, kommentierte Arina, ohne sich umzudrehen. »Deren Platz ausschließlich im Regel eines Bibliophilen sein sollte. Aber… ich bringe es einfach nicht übers Herz, sie zu verkaufen.«

Ich lächelte traurig und sah mir den Schrank durchs Zwielicht an. Alles sauber. Keine Magie. Alte Bücher über Botanik.

Oder das Ganze war kunstvoll in eine Düsternis gehüllt, die ich nicht zu durchdringen vermochte. »Setzen Sie sich, der Tee ist fertig«, forderte Arina mich auf.

Ich nahm auf einem knarrenden Wiener Stuhl Platz. Griff nach der Tasse Tee, schnupperte.

Ein betörender Geruch. Irgendwas musste da drin sein, ein wenig normaler Tee, aber auch Zitrone und Minze. Obwohl ich gewettet hätte: Der Tee enthielt weder Teeblätter, noch Zitronenschale oder banale Minze.

»Was ist?«, lächelte Arina. »Probieren Sie ruhig…«

Sie setzte sich mir gegenüber und lehnte sich etwas vor. Unwillkürlich fiel mein Blick auf den offenen Hemdausschnitt, der die braun gebrannte Brust erkennen ließ. Ob dieser»Bekannte mit Jeep«wohl ihr Liebhaber war? Oder einfach ein Kollege? Ja, klar, ein Botaniker mit Jeep…

Was war nur mit mir los? Man konnte wirklich glauben, ich käme von einer unbewohnten Insel und hätte seit zehn Jahren keine Frau gesehen!

»Er ist heiß«, erwiderte ich, während ich die Tasse in beiden Händen hielt. »Er muss noch etwas abkühlen…«Arina nickte.

»Wie bequem, einen Elektrokessel zu haben«, fuhr ich fort. »Das Wasser kocht schnell. Woher haben Sie denn hier Strom, Arina? Ich habe am Haus gar keine Leitungen gesehen.«

Arinas Gesicht erzitterte. »Vielleicht verlaufen die Kabel ja unterirdisch«, meinte sie kläglichen Tones.

»Hm«, erwiderte ich, streckte die Hand mit der Tasse aus und goss den Tee fein säuberlich auf den Fußboden. »Die Antwort lass ich nicht gelten. Denken Sie noch einmal darüber nach.«

»Warum muss ich nur immer so ein Pech haben?«Ärgerlich schüttelte Arina den Kopf. »Wegen solcher Kleinigkeiten…«

»Man stolpert immer über Kleinigkeiten«, meinte ich mitleidig. Und stand auf. »Moskauer Nachtwache, Anton Gorodezki. Ich verlange, die Illusion sofort aufzuheben!«Arina hüllte sich in Schweigen.

»Ihre Weigerung zu kooperieren wird als Verletzung des Großen Vertrages gewertet«, erinnerte ich sie. Arina blinzelte. Und verschwand. Also, das durfte doch nicht…

Mit einem Blick fing ich meinen Schatten ein. Streckte mich nach ihm aus – und das kühle Zwielicht nahm mich auf. Das Häuschen hatte sich nicht im Geringsten verändert! Arina war weg.

Ich konzentrierte mich. Hier war es zu grau und zu trüb, um meinen Schatten auszumachen. Trotzdem fand ich ihn. Und trat in die zweite Schicht des Zwielichts ein.

Der graue Nebel verdichtete sich, den Raum erfüllte ein fernes, lang gezogenes Grollen. Ein Frösteln lief über meine Haut. Jetzt hatte sich das Häuschen verändert, und zwar radikal: Es hatte sich in eine Hütte verwandelt. Mit Wänden aus Holzbalken, die Moos bewucherte. Statt Glas funkelte eine halb durchscheinende, glimmernde Platte in den Fenstern. Die Möbel waren einfacher, älter, der Wiener Stuhl, auf dem ich saß, hatte sich in einen Baumstumpf verwandelt. Nur der teure, hochverehrte Schrank war noch der alte. Ein schöner alter Schrank. In dem die Bücher jedoch rasant ihr Äußeres veränderten. Falsche Buchstaben hagelten zu Boden, die kunstledernen Rücken verlederten…

Arina war weg. Nur eine vage Silhouette neben dem Schrank ließ sich erkennen, ein geisterhafter, schneller Schatten… Die Hexe war in die dritte Schicht des Zwielichts abgetaucht! Theoretisch könnte ich ihr dorthin folgen.


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