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Lügendetektor
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Текст книги "Lügendetektor"


Автор книги: A. I. Nebelkrähe



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Alik dachte, dass er zurück nach Russland soll. Aber was und wer warten dort auf ihn? Andere Nationalisten. Alik sah schon sogenannte Donkosaken in Uniformen von neunzehnten Jahrhundert, mit Säbeln und „Nogaikas“ (Kosackenpeitschen). Waren sie viel besser? Kaum. Aber in Rostow kann er mindestens unbehindert Russisch sprechen. So verließ Alik seine Wohnung samt seiner Frau und ehemaligen Freunden, nahm von niemandem Abschied und kehrte nach Rostow zurück.

Er fand mit links Arbeit in Rostow und zwar als Lehrer für Geografie. Für den Lohn, den man für die Arbeit bekam, könnte man kaum eine Katze ernähren. Ihm gefiel die Arbeit, aber sein Magen sehnte sich nach etwas Wesentliches, als Nudel.

So kam Alik zur Idee, sich als Buchhalter ausbilden zu lassen. Das war auch ein Flop. Er arbeitete als Buchhalter für einen Neurussen, der alle Toiletten der Rostower Bus– und Bahnhöfe besaß. Das Unternehmen war außerordentlich profitabel, weil wenn man muss, man alles, was von ihm verlangt wird bezahlt. Aber der gierige Kapitalist wollte noch am Steuern sparen. Nach einem halben Jahr war Alik schon dieser Doppelbuchführung satt, dazu fürchtete er noch vor Knast. Er verließ Toilettenimperium und begann aufs Neue seine Lehrerkarriere. Langsam erhöhte man die Löhne, und Alik konnte sich wieder übers Wasser halten.

Alik macht mit seinen Schülern einen Ausflug. Sie fahren zu einem von Aliks Lieblingsplätze – Ptschelovodnaja. Hier werden sie neben einem Hain in Zelten übernachten. XX XXXXXXX XXX XXX XXXXXXXXXX XX XXX XXX XX XX XXX XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX XXX XXXX XXX XXXXXXXX XX XXX XXXXXXX XXXXXXXXXXXX XX XXX XX XXX XXXXXXXXX.

Es wird wie immer viel geredet, gesungen, gelacht und, wie immer, getrunken. Alik ist schon daran gewöhnt und weiß, dass er nichts dagegen unternehmen kann. Er sorgt nur dafür, dass man nicht zu viel Wein intus hat. Es ist schon dunkel geworden. Alle sitzen um Lagerfeuer herum und sind guter Laune. Alik spielt Gitarre und singt. Seine Schüler lieben ihn singen hören. Er fühlt, dass die Natur ruft und geht weit von Lagerfeuer weg. Er ist doch ein Lehrer und soll sich nicht blamieren.

Alik vertiefte sich schon einige Meter in den Hain, als er hört, dass jemand läuft hinter ihm. Das zwingt ihn weitergehen, doch die Schritte nähern sich. Alik bleibt stehen und wartet auf den Hinzukommender. Er sieht eine Silhouette in der Dunkelheit. Gott sei Dank, es ist kein Mädchen. Die Neigung zur Vergewaltigung der Schüler ist zwischen russischen Lehrer nicht so verbreitet, wie die laut TV-Serien in der USA der Fall ist, doch es wäre unangenehm in Anwesenheit des Mädchens...

Die Silhouette nähert sich. Die ist Alik irgendwie bekannt, aber er kann nicht mit Sicherheit erkennen, wer da ist. Du darfst ruhig weitergehen, sagt er der Silhouette, ich muss mal. Die dunkle Gestalt sagt nichts und geht weiter. Alik kehrt sich herum und gleichzeitig schreit er vom Schmerz in Schultern. Alik macht instinktiv zwei-drei Schritte vorwärts, versteckt sich hinter dem Baum und versucht irgendetwas in Dunkelheit zu erkennen. Er sieht die Silhouette des Mannes, der hält seine rechte Hand ein langes und sichtlich schweres Ding. Der Mann geht in Aliks Richtung und es bleibt wahrscheinlich keine Zeit mehr zu analysieren, was für ein Ding es sein soll. Alik ist verängstigt, er läuft.

Es ist bekanntlich schwer, in einem Wald zu laufen und besonders ist es unbequem, diesen Lauf in der Nacht zu unternehmen. Die Zweige schlagen Alik ins Gesicht und hätte er keine Brille, so könnte er schon mit seinen Augen verabschieden. Er stolpert und fällt ab und zu hin. Doch der Mann, der ihn verfolgt, hat dieselben Schwierigkeiten. Alik versucht das Tempo zu erhöhen, um die Distanz zwischen ihm und seinem Verfolger zu vergrößern. Es gelingt ihm und er versteckt sich hinter einem Hügel. Er hört nichts. Alik ist verwundet, außer Atmen und sein Hemd ist ganz nass von Blut. Er verbirgt sich und denk hektisch daran, was er jetzt tun soll. Er bekommt bestimmt keine Hilfe, weil der Hain menschenleer ist. Er kann nicht zurück laufen, weil, erstens, so bringt er seine Schüler in Gefahr und zweitens, sein Feind befindet sich gerade in dieser Richtung, da drüben. Selbst kann er sich nicht verteidigen, Alik hegt keine Illusion von seiner Kraft. Er muss irgendwo Menschen finden und um Hilfe bitten. Er muss weg aus diesem Hain.

Alik hört aufmerksam zu. Es ist still, niemand verfolgt ihn. Er bückt sich und schleicht aus dem Hain. Er hofft, dass er der Gefahr entgeht. Plötzlich fällt er den Steilhang hinunter. Von lauten Schmerzen verliert Alik das Bewusstsein. Nach einiger Zeit kommt er zu sich wieder und versucht zu erinnern, was er hier tut und warum sein ganzer Körper schmerzt. Dann prüft er den Zustand seiner Glieder. Die Ergebnisse sind enttäuschend – es sieht so aus, als ob er seiner rechten Hand brachte und rechten Fuß ausrenkte. Dazu verlor er noch seine Brille. Alik findet einen großen Zweig, den er als Krücke benutzt. Heulend vom Schmerz bewegt Alik sich langsam durch Dickicht und Gestrüpp bis zum Ende des Hains fort. Hier trennt ein schmaler Erdweg den Hain vom Sonnenblumenfeld.

Weit entfernt sieht Alik verschwommene Lichter des Mähdreschers, der Sonnenblumen ernten. Er entscheidet sich fürs Sonnenblumenfeld, weil er fürchtet, dass man ihn den Erdweg gehend merken kann. Ächzend und krächzend humpelt Alik durch das Sonnenblumenfeld gen Scheinwerfer des Mähdreschers. Dort sollten Menschen sein, dort bekommt er notwendige Hilfe.

Von diesem Gedanken unterstützt, schlägt sich Alik das Feld durch. Die Blumen sind hoch, viel höher als Alik. Ihre Stämme sind dick und unangenehm stachlig. Sie wachsen so dicht, dass es fast unmöglich ist, einen Weg zu finden. Alik bewegt sich sehr langsam. Es ist noch dunkler hier, unter den Sonnenblumen. Er weiß nicht genau, ob er noch die Richtung hält. Alik stolpert immer wieder und verflucht den unbekannten Angreifer, seine eigene Dummheit, so was wie einen Ausflug zu organisieren, die Schüler, die immer um ihn herum rollten und er keine einzige Minute alleine verbringen konnte und jetzt braucht er sie, aber alle sind weg.

Alik weiß nicht, wie lange seine Anabasis schon dauert. Er verlor die Orientierung und das Gefühl von Zeit. Plötzlich hört er den Lärm des Mähdreschers. Der kommt selber auf ihn zu! Alik ist erleichtert und versucht die Richtung des Lärms zu bestimmen. Dann kriecht er gen diese Richtung. Von Zeit zu Zeit hielt er an und rieft laut, dass er sich hier befindet und kriecht wieder weiter. Es scheint, dass Mähdrescher sich ihm nähert. Mit großen Anstrengungen richtet sich todmüde Alik hoch. Er sieht schon die Scheinwerfer. Er beginnt mit den Händen zu winken. Er versucht sogar auf einem Fuß zu springen. Der Mähdrescher kommt näher. Seine Scheinwerfer leuchten ihm in die Augen. Jetzt sieht er überhaupt nichts. Alik schreit so laut, wie er nur kann. Alles umsonst, der Mähdrescher hielt nicht an. Wie in Trance versucht Alik dem Mähdrescher zu entkommen. Er beginnt zu rennen, stolpert und fällt hinunter. Er bringt es nicht fertig, weiter zu rennen. Er ist sicher, dass der Fahrer des Mähdreschers ihn deutlich sieht. Alik dreht sich auf den Rücken. Der Lärm ist unerträglich. Er sieht eine dunkle Silhouette hinter dem Lenkrad. Der Mähdrescher ist fast über ihm… Er hört und sieht nichts mehr.

Alik ist tot, mausetot.


1.10.txt

Ich gehe schon wieder durch die Straßen meiner Heimatstadt. (Google habe ich schon erwähnt). Jetzt stehe ich am Kruglaja Platz. Hier befindet sich meine ehemalige Schule. Jetzt nennt man sie stolz Ökonomisches Lyzeum. Ich verstehe bis heute nicht, was mit russischem Bildungssystem passierte, als man nach der Perestroika alles zu umbenennen begann. Schulen wurden zu Lyzeen und Gymnasien, anständige Hochschulen, die man gewöhnlicherweise in Russland Institute nannte, wurden zu Akademien und Universitäten, so entstanden Universitäten für Bauwesen oder für landwirtschaftliche Maschinenbau, Akademien für Wirtschaftswissenschaft oder Eisenbahnwissenschaft, als ob man dachte, dass man mit Umbenennung auch den Inhalt der Bildung und deren Qualität ersetzen kann. Doch die Menschen, die dort arbeiteten, blieben dieselben, sie wollten keine Änderungen und lehrten dasselbe, wie früher.

Damals aber war diese Schule fast normal. Fast, weil sie zur sowjetischen Eisenbahn gehörte. Eisenbahn war in der Zeit ein Staat im Staat. Ihr gehörte außer Schulen auch Hochschulen, Technika, Kindergarten. Krankenhäuser, Stadien und andere Sportanlagen, Sportvereine, Häuser, Kurorte, Hotels, eigene Polizei und eigene Militärdivisionen. Dem Imperium haperte an nichts.

Für die Schüler gab es keine Unterschiede, doch für Lehrer war es anders. Sie durften in S-Bahnen kostenlos fahren, ICE-Fahrkarten in einer Spezialkasse für Eisenbahnangstellen kaufen und keine langen Schlangen stehen, wie alle andere Normalsterbliche das machen.

Diese Schule war noch vor Zweitem Weltkrieg gebaut, so die Zimmerdecken waren sechs Meter hoch und sie besaß stolz die Treppen aus Marmor. Die Schule hatte ihr eigenes Stadion. Um Stadion herum schaffte man einen schönen Drahtzaun. Leider war es die meisten Schüler viel bequemer durch den Drahtzaun quer das Stadion in die Schule zu laufen, so machten die immer großen Löcher im Zaun und das brachte den Direktor in Wahnsinn. Außer Stadion hatte die Schule noch einen Schießstand. Dort konnte man mit Kleinkalibergewehr trainieren zu schießen. Ein Schuss kostete drei Kopeken und natürlich spendierten alle Schüler männlichen Geschlechts all ihr Geld dem Schießstand, zur großen Enttäuschung der Schulkantinenleitung.

Neben der Schule stand eine Fabrik, die Schmelzkäse herstellte. Die Mannigfaltigkeit der Käsesorten war in der Sowjetunion etwas begrenzt. Eigentlich existierten damals die ganzen drei Arten des Käses: Sowetskij, Rossijskij und Schwejzarskij (Interessant aber war – in welcher Beziehung stand Schweiz zu russischem Käse). Das waren ausgezeichnete Käse. Die sowjetische Bevölkerung fand, dass alle Käse dem Geschmack nach an Plastilin erinnerten. Es gab keinen einzelnen Käsetester in ganzem Land, der diese Käse an Geschmack unterscheiden konnte. Doch sogar diese Käse waren schwer in Laden zu kaufen, aber am Lager hatte sowjetischer Handel genug von dieser Ware. Käse wurde dort so lange gelagert, bis der sich zu verderben begann. Danach verfrachtete man ihn zu Schmelzkäsefabriken, wo man diesen Käse ganz offen am Hof stapelte. Der Geruch, der man in Umgebung spürte, war unbeschreiblich. Diesen Geruch konnte man in der Schule oft riechen. Also trug die frische Luft eine pikante Note.

Apropos, es gab in Rostow genug Unternehmen, die besondere Gerüche verbreitete. Außer der oben genannten Schmelzkäsefabrik existierten noch Lederbearbeitungsbetriebe und Schlachthof. Der letzte roch ausgezeichnet schön, so schön, dass obdachlose Straßenköter, die in der Stadt im Überfluss herum liefen, fielen todsicher zum Boden, wenn sie den Geruch nur einmal inhalierten.

Nicht weit vom Schlachthof platzierte irgendeiner Witzbold von Beamten die Rostower Rennbahn. Es ist immer schwer genug, auf das richtige Pferd zu wetten, doch in Rostow war das besonders schwierig, weil, wenn der Wind den Geruch vom Schlachthof brachte, rannten Pferde, als ob versuchten sie ihr Schicksal zu entgehen.

Aber das war nicht der Geruch, der die Rostower Bewohner beschäftigte. Was sie beschäftigte, war das Endprodukt. Dieses Produkt der anderen stinkenden Unternehmen konnte man sehen und sogar essen, wie Ledertaschen oder Schmelzkäse. Dieser Käse war enorm populär bei Alkoholiker, man kaufte immer paarweise: „Solnzedar“ und Schmelzkäse, Portwein „777“ und Schmelzkäse, „Plodovo-jagodnoe“und Schmelzkäse (die richtige Proportion war: eine Flasche Wein zu einem Käschen). Das waren „Zwillinge-Brüder“ (die Allusion an damals überall hängende Spruchbänder „Lenin und Partei – Zwillinge-Brüder“). Was aber das Endprodukt des Schlachthofs betraf, so gab es ein Geheimnis. Es sollte etwas existieren, was so gewaltig stank, aber niemand sah dieses Etwas (man munkelte flüsternd, dass das Fleisch sein soll, doch niemand war dieser Sache sicher in Abwesenheit des Fleisches).

Die Schule war gut. Lehrer versuchten ihr Bestes, um Schülern das notwendige Wissen in Köpfe einzuprägen. Damals waren sowjetische Lehrer für Ergebnisse der Schüler verantwortlich. Die ganzen zehn Jahre machten sie das. Man glaubt in Deutschland treuherzig (besonders Beamten), dass man in der Schule elf – dreizehn Jahren sitzen soll, um Abitur zu machen, als ob man nur Arschstunden zählt, doch kein Wissen. Noch in sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelten sowjetische Psychologen die Methoden, die den Schülern das ganze Schulprogramm in fünf Jahren schaffen zu ermöglichten, aber keinen brauchte so was. Die Dauer der Schulzeiten ist nur ein Mittel zu Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in jedem Land. Mir war schon zehn Jahre zu lang, es war langweilig in der Schule.

Neben notwendigen Kenntnissen bekam man in dieser Schule noch einige Informationen über realer Welt außer der Schule. Mein erster Klassenlehrer zeigte uns, dass man nicht allem vertrauen muss, was man in Fernsehen sieht. Er erzählte uns, dass wir uns um alten Menschen kümmern sollten. Gleichzeitig erzählte er von diesen guten Vorsätzen der Mutter einer unserer Mitschülerin, die zufälligerweise im Fernsehzentrum arbeitete. Eine Woche später berichtete man von unseren Heldentaten und nannte uns „Musterschüler“. Wir waren erschüttert und bewundert, wir haben noch nichts Bemerkenswertes gemacht! Der Klassenlehrer erklärte uns, dass wir nichts mehr tun sollten, sondern ruhig weiter lernen. Das war eine gute Lehre für Schüler: einige zogen daraus die Schlüsse, dass nicht alles, was man sieht oder hört echt ist, andere, die als Parteifunktionären oder Beamten ihre Karriere machen werden, dass gute Beziehungen zu Medien sind wichtiger, als reale Taten. Von dieser Zeit an begannen einige von uns selbstständig zu denken.

Paradoxerweise der nächste Anstoß zum selbstständigen Denken passierte an der Uni in einem Fach, das offensichtlich nicht dazu geplant war, nämlich – „Geschichte der Kommunistischen Partei der UdSSR“. Das Lehrbuch war das langweiligste Buch, das man sich bloß vorstellen kann. Aber den Lehrgang leitete eine bewundernswerte Dozentin. Sie forderte immer von Studenten, dass sie zu erklären versuchten, warum dieser oder jener Parteitag genau in diesem Jahr stattfanden, warum genau diese Fragen besprochen wurden und warum genau diese Genossen die Rede hielten. Das Ergebnis ihrer Bemühungen war, dass Studenten verstanden, dass die höheren Positionen nicht die Begabtesten bekleideten. Studenten wurden nicht gleich zu Dissidenten, doch das Politbüro betrachteten sie mit ganz anderen Augen.

Unser anderer Klassenlehrer, eigentlich, Klassenlehrerin, nahm es vor, dass alle Schüler eine schlechte Kinderstube hatten (sie war damit nicht so weit von Wahrheit). Deswegen zwang sie uns die guten Manieren nicht nur zu kennen, sondern aus dem Effeff zu benutzen. So übten wir, wie man dem Mädchen in den Mantel hilft, wie man galant dem Mädchen die Tür öffnet und wo soll ein Gentleman sein, wenn die Dame die Treppe hoch oder hinuntergeht, als auch wie man der Hand einer Dame nimmt. Zusätzliche körperliche Kontakte waren uns in diesem Alter – das war die siebte Klasse – nicht so widerlich, aber man bekam immer wieder das falsche Mädchen. Wir wollten aber ganz anderen Mädchen in den Mantel helfen! XXXXXX XX XX XX XXX XXXXXX XXXXXXXXXXXXXX XX XXX XX XXXX XX XXX XX.

Alina ruft mich zum Abendessen. Heute haben wir das ganz einfach: „Kraftsdorfer Thüringer Schwarzbier Salami“ mit „Thüringer Heimisches Land-Brot“, dazu Rosen Schwarzbier und gebratene Auberginen mit Wahlnüsse. Nur das letzte Gericht muss man zubereiten. Geschnittene Auberginen brät man in Sonnenblumenöl. Danach nimmt man Wahlnüsse, Chili, Korianderblätter, Knoblauch, Sellerie, Basilikum, Petersilie, Thymian, Salz, zerkleinert und vermischt das alles, gibt etwas Wahlnussöl dazu. Mit dieser Masse muss man jedes Stück der gebratenen Auberginen schmieren und mindestens einen Tag in einem kühlen Platz reifen lassen. Das Ergebnis schmeckt himmlisch, besonders mit Schwarzbier Salami und Rosen Schwarzbier!

Während des Abendessens erzähle ich Alina von meiner Google-Reise und frage sie nach ihren Schulerinnerungen. Sie lernte in einer sogenannten „Spezialschule“, wo man auf Englisch alles unterrichtet. Damals war es sehr prestigevoll unter russischen Akademiker, die man Intelligenzija auf Russisch nennt, ihre Kinder an Spezialschulen zu schicken. Die armen Kinder mussten notwendigerweise Musik lernen, sehr hoch schätzte man noch zusätzlich eine noble Sportart, wie, z. B., Eiskunstlauf oder Tennis. Es gab nicht so viel von diesen sogenannten Spezialschulen und die Konkurrenz zwischen Eltern war enorm. Als erste zum Ziel kamen selbstverständlich Kinder, dessen Eltern gut sozial vernetzt waren, mit anderen Worten, Parteifunktionäre aller Sorten. Um Sozialgerechtigkeit zu demonstrieren oder, ketzerisch gesagt, „bewahren“, nahm man einige Kinder aus einfachem Volk, die im Umgebung der Schule wohnten.

Spezialschule forderte Speziallehrer, die von KGB geprüft waren. Solch eine Selektion brachte der Schule nicht gutes, weil die ideentreuen Lehrer nicht unbedingt die begabtesten Lehrer waren. Kinder der Parteifunktionäre hatten meistens auch nicht die hellsten Köpfe. Diese Kinder waren in der Sowjetunion praktisch wie die Kinder der Millionäre im Abendland. Sie hatten alles, was alle andere Kinder nicht hatten: westliche Klamotten in großer Menge, Kaugummi (so eine Rarität!), Zigaretten und Alkohol (Whisky u.s.w.). Es haperte ihnen an nichts. Vielleicht waren sie nicht so reich, wie Kinder der richtigen Millionäre, aber einige waren genauso verdorben. Hin oder her, man brauchte keinen Schülern zu erzählen, dass man einen Diener des Volkes nicht immer als Vorbild benutzen kann, weil sie solche wichtige Dinge des Lebens schon von ihren Eltern lernten. Sie glaubten nicht an Kommunismus, nicht an Führerfiguren, wurden aber nicht zu Dissidenten, sondern zu Funktionären und Moralprediger. Die schamlosesten von ihnen wurden später zu Millionären. Kurz gesagt, man bekam manchmal nicht die beste Ausbildung in Spezialschulen. Obwohl, ungeachtet der KGB-Kontrolle, waren in Alinas Schule talentierte Englischlehrer, die den Schülern ermöglichten, die Sprache gut zu beherrschen.

1.11.txt

Schura Nogilevskij geht zum seinen Arbeitsplatz. Er arbeitet in einer moskauer Bank. Die Bank ist klein, ehrlich gesagt, sogar sehr klein. Die Klientel besteht aus einem Klienten und drei Angestellten: Schura selbst fungiert als Bankdirektor, seine Frau bekleidet alle anderen denkbaren in einer Bank Positionen und eine Putzfrau, die nebenberuflich Schuras Mutter ist. Die Bank befindet sich am Rand der Stadt, in einem sechzehnstöckigen Plattenbau, im Erdgeschoss. Das ist eigentlich eine Dreizimmerwohnung. Im Schlafzimmer hat Schura sein Office, im Kinderzimmer verweilt seine Frau, Esszimmer dient als Empfangszimmer und in der Küche hantiert Schuras Mutter. Also, kurz zu fassen, ein florierendes Familiengeschäft. XXX XX XX XX XXX XXXXXXXXXXXX XX XXX XX XXXXXX XXX XXXXXXXX XXX XX XXX XXX XXXXX XX XXXXXX XXX XX.

Es erübrigt sich zu zagen, dass Schura Nogilewskij nicht als Bankier geboren wurde. Er erschien zur Welt in Rostow-am-Don als ein einziger Sohn der höheren Tiere der Nordkaukasuseisenbahn. Die Dichten und Trachten der Eltern bestanden darin, dass er zu seiner Zeit auch eine hohe Position bekleidet. So wusste Schura schon mit zwölf Jahren, dass er den einfachen Mädchen den Hof nicht machen sollte. Dieses Wissen und ehe retardante hormonelle Entwicklung half ihm die Schule mit einer goldenen Medaille zu absolvieren, während seine Altersgenossen die Schule schwänzten und erste Liebeserfahrungen sammelten. Schura verachtete dumme Männchen, stattdessen las er viel und entwickelte bewusst Soft Skills.

Er wurde zu einem Studenten der historischen Fakultät der Uni. Schura studierte mit Leichtigkeit dank seinem ausgezeichneten Kurzgedächtnis. Er mochte es, anderen mit seinen umfangreichen Kenntnissen zu überraschen (auf Deutsch gesagt – jemandem etwas unter die Nase zu reiben), so begann er wissenschaftliche Zeitschriften zu lesen und die gelesenen Artikel passend zu zitieren. Dann kam er zur Idee wissenschaftliche Bahn zu wählen und versuchte in wissenschaftlicher Arbeit teilzunehmen. Die Rostower Uni hat einen eigenen Platz, um junge Historiker auf wissenschaftlichem Schicksal vorzubereiten. Dieser Platz heißt Tanais. So nannte man die nördlichste griechische Siedlung aus archaischen Zeiten. Tanais liegt ganz in der Nähe von Rostow und man schickt dort Studenten in die sogenannten Expeditionen hin. Als angehende Archäologen wühlten Studenten die ganzen Sommerferien in der Erde, genauso wie unzählige Generationen der Studenten davor. Man könnte glauben, dass es nichts mehr im Boden von Tanais gibt, doch manchmal findet man etwas, was die alten Griechen in Mülleimer wegschmissen oder in altgriechischer Latrine verloren. Das ist echte Knochenarbeit für besessene Archäologen, was Schura nicht war. Nach einer Woche verließ er Tanais und traf die Entscheidung, sich zu theoretischer Arbeit in der Bibliothek zu widmen. Die Arbeit lief gut, doch dann fand er heraus, dass man nicht nur Fakten sammeln musste, sondern auch eigene wissenschaftliche Ideen zu produzieren. Schura mangelte aber an Ideen. Deshalb war er mit wissenschaftlicher Tätigkeit quitt, aber Doktortitel wollte er immer noch.

XXX XXX XX XXXXXXXXX XX XXX XXXXXXXXXX XX XXX XXXX XX XXX XXXXXXXXXX XX XXXXXXX XXX XXXXXXXX XX XX XXX XXXX XX XXX XXXXXXXX XX XXX XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX XX XXX XXX XX XXX XXXXXXXX XXXXXXXXXXXXXX XXX XXXX XX XX.

Schura war ein geselliger Junge und begegnete jetzt vielen Mädchen, dennoch ein relevantes konnte er nicht finden. Seine Eltern waren in großen Sorgen. Herr Gott hörte ihre Gebete und eines Tages schickte er der Familie ein Geschenk in Gestalt eines Mädchens aus Moskau. Das Mädchen war die Tochter des ganz hohen Eisenbahntiers, der es an die philosophische Fakultät der Moskauer Uni unterbrachte. Das Mädchen war genauso schön wie dumm. Das ganz hohe Eisenbahntier war offensichtlich nicht so hoch, um die guten Noten seine Tochter zu beeinflussen und die Uni exmatrikulierte sie. Der ganz hohe Eisenbahntier wusste nicht, wohin mit dem Spross. Den Ausweg fanden Nogilewskijs Eltern, gute Freunde des ganz hohen Eisenbahntiers: das Mädchen musste nach Rostow, in Obhut Nogilewskijs Familie und sie könnte an Rostower Uni weiter lernen.

Das Mädchen namens Lena kam nach Rostow und vermisste zuerst das ganze Halbjahr das schöne moskauer Leben mit lauten Partys und guten Bars. Dann gewöhnte sie an ehe prosaische Existenz in Provinz, doch die lumpigen Klamotten ihrer neuen Kommilitonen irritierte sie ständig. Diese Paysans hatten überhaupt keinen Geschmack. Kommilitonen zahlten ihr mit derselben Münze zurück. In Russland bezeichnet man Bewohner von Moskau als Personen der moskauer Nationalität, die frech, arrogant und hochmütig seien sollen. Diese Personen verachten die restliche russische und nicht russische Bevölkerung, weil die nicht so viele Privilegien haben, als die Personen der moskauer Nationalität. Das Fakt, dass man für diese Privilegien das ganze Land ausbeuten muss, interessiert sie nicht.

Da waren die Zeiten! Jeder, der nach Moskau dienstlich reiste, schleppte auf dem Weg nach Hause bergeweise die Vorräte von Toilettenpapier für seine Familie, Familie von Nachbarn und – nach russischem Knigge – einige Rollen für gute Bekannten und ihren Familien mit...

Was Lenas Studium betraf, so war das in Rostow in trockenen Tüchern, weil hiesige Professoren meistens Männer waren und aus Mitleid verziehen sie hübschem Püppchen albernes Gerede bei den Prüfungen. XXXXX XXX XX XXXXXXX XXXXXXX XXXXXXXXX XXXX XXXXXX XXX XXXXXX XX XXX.

Der Ansicht der Schuras Eltern nach war Lena ein richtiges Mädchen für ihren Sohn. Es war unerträglich süß, die beiden nebeneinander zu sehen: Schura war groß, mit rotem Haar und Lena klein, dunkelhaarig, schlank. Die Optik war aber nicht entscheidend, sondern die guten Beziehungen Lenas Vaters. Mit ihm in Hintergrund könnte Schura mal nach Moskau umziehen und dort Karriere machen. Nogilevskij Eltern besprachen die Sache mit ihrem Sohn, der nichts dagegen hatte. Lena war ihm nicht widerlich und er wollte nach Moskau. Das Mädchen hatte auch nichts dagegen – der Junge war groß, hatte Manieren und könnte sie nach Moskau zurückbringen. Moskauer Vater widersprach auch nicht, der Schwiegersohn aus Provinz sollte nicht so frech sein, wie moskauer Laffen und würde ihm ewig dankbar, wenn er ihn nach Moskau brächte. Die Heiratsfrage wurde abgewickelt. XX XXX XXX XXX XXXXXX XXXXXXX XX XXX XXXXX XXXX XXXXX XX.

Es begann die Vorbereitungen zur Heirat. Schura bereitete sich auch vor, hauptsächlich theoretisch, indem er viele Bücher über weibliche Anatomie, Physiologie, Psychologie und Geschlechtsverkehrstechnik las, doch die Hauptsache für ihn war, wie man Verhütungsmittel verwendet. Eigentlich weigerte Schura sich fortzupflanzen nicht – solch außerordentliche Gene sollten doch nicht einfach verlorengehen, aber alles zu seiner Zeit! Nach einigen Wochen, die er in der Bibliothek verbrachte, fühlte Schura sich als Experte im Gebiet der Verhütung. Er wagte sogar zu denken, dass er die praktischen Schritte unternehmen könnte, umso mehr, weil seine Zukünftige solche Schritte schon seit langem von ihm verlangte. So kamen sie zur Sache. Zuerst hielt Schura einen vierzigminütigen Vortrag vor Ausgewählte und klärte sie auf, mit welchem Mittel man sich verhüten kann. Er persönlich zog folgende Methoden vor: Methode von Knaus-Ogino, Kondome und Temperatur-Test. Er erläuterte Pro und Kontra dieser Methoden. Der Temperatur-Test war von Braut abgelehnt. Die Methode war vielleicht die sicherste, aber auch die komplizierteste. Was die Kondome betraf, so waren die sehr seltene Handelsartikel in der Sowjetunion. Man konnte sie nicht einfach in einer Apotheke oder im Laden kaufen, sondern musste wieder gute Beziehungen haben, um sie zu bekommen. So kam nur die Knaus-Ogino-Methode in Frage. Junge Leute nahmen die Kalender und markierten passende Tagen. Der erste Termin sollte in einer Woche stattfinden.

Am gesagten Tag kamen sie in Lenas Wohnung und begannen zu praktizieren. Lena war schon mit der Prozedur vertraut, für Schura war das alles zum ersten Mal, aber er war theoretisch ausgezeichnet vorbereitet. Schuras Sturm und Drang, genauso wie Vergänglichkeit diesen Sturm und Frequenz der Friktionen waren fürs Mädchen etwas erstaunlich. Lena hegte aber die Hoffnung, dass mit der Zeit alles nicht so heftig würde. (Wenn Sie hier einige Szenen aus Fufzig Schänden of Grey zu finden hoffen – da werden Sie enttäuscht sein.)

 Das junge Paar übte für das zukünftige Eheleben pflichtbewusst alle abgehakten im Kalender für diesen und nächsten Monat Tage. Kurz danach stellte Lena fest, dass sie schwanger war. Mit den Reklamationen meldete sie sich bei Schura an. Er prüfte die Methode nach und konstatierte, dass er empfängnisgünstige Tage mit empfängnisungünstigen Tagen bloß verwechselte. Nicht umsonst nennt man diese Methode „katholisches Roulette“! Lena wollte keine Abtreibung, weil sie wusste, dass Studentinnen mit Kindern auf noch größeres Mitleid der Professoren zählen könnten, und nicht nur männliches, sondern auch weibliches Geschlechts. Dazu sollte noch ein Jahr des Schwangerschaftsurlaubs kommen. Unter diesen Umständen bereiteten die Eltern schnellstmöglich die Hochzeit vor.

Für Schura war die Ehefrau sein einziges Sexualabenteuer. Mehr wollte er nicht, die Konsequenzen waren zu schwerwiegend und er begrenzte seine Ehepflicht bis zu einem Mal pro Monat – sicher ist sicher! Als zusätzlicher Preis für freiwilliges Halbzölibat bekam er mehr Zeit, um zu lernen. Er absolvierte die Uni mit „rotem“ Diplom, das heißt, nur mit ausgezeichneten Noten. Nun jetzt kam die Karrierefrage. Die beiden Elternfamilien waren sich einig, dass Schura die ersten Arbeitserfahrungen in Rostow sammeln musste, um später Konkurrenz in Moskau zu überwältigen. In Provinz konnte man Krallen und Zähnen mit größerem Komfort schärfen und dann sie auf Mitarbeiter ausprobieren, als in der Hauptstadt. Die Väter erfanden für Schura einen Arbeitsplatz im Rostower Institut für Eisenbahnverkehr. Das war eigentlich nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern eine Abteilung für Koordination der „interwissenschaftlichen“ Mitarbeit, wo Schura als Leiter installiert wurde.

Was genau diese „interwissenschaftliche“ Mitarbeit bedeuten sollte, wusste niemand. Schura hatte drei Untergebenen, mit denen er den ganzen Arbeitstag prächtig amüsierte. Sie spielten Pingpong, gingen durch das grandiose Gelände des Instituts spazieren, besprachen alle möglichen aktuellen wissenschaftlichen und politischen Themen (niemand in der ganzen Welt spricht mehr über Politik, als Russen. Sogar russische Scherze, die man Anekdote nennt, sind bis zu neunzig Prozenten politisch). Nach einiger Zeit wurde Schura seine Arbeit etwas zu langweilig. Er dachte daran, was er unternehmen soll, um das professionelle Leben interessanter zu machen, und entschied sich zu einer Dienstreise in naheliegende Stadt Schachty. Er wusste nicht genau, was er in Schachty tun musste, aber vielleicht sollte diese Reise ihn irgendwie ermuntern.

Schura durchsuchte alle Buchläden in Schachty. Wie gesagt, gute Bücher waren damals seltene Dinge, aber in kleineren Städten konnte man noch Glück haben, ungeachtet davon, dass Schachty mit vierhundert tausend Bewohner gar nicht so richtig klein war. Für Schura war Buchsammlung ehe eine Art von der Jagd. Besonders scharf war er auf eine Zeitschrift namens „Inostrannaja Literatura“ (Ausländische Literatur). Diese Zeitschrift veröffentlichte literarische Werke, die nirgendwo sonst zu haben waren. In sechziger Jahren konnte man dort sogar Ionesko, Beckett, Camus und Marcel Proust finden. Für die intellektuelle Elite war es sehr prestigevoll, alle Ausgaben der Zeitschrift zu besitzen.


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