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Lügendetektor
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Текст книги "Lügendetektor"


Автор книги: A. I. Nebelkrähe



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 Monja meinte, dass er schon zu viel Geld in diese Messereise investierte, um noch Zeit für Mittagessen zu verlieren, deshalb aßen sie nur morgens und abends. Das war zum Bersten! Monja versuchte sich beim Frühstück vollzustopfen, was Frau Müller nicht gerade glücklich machte. Sie erlebte noch nie einen Gast, der wie eine Heuschrecke alles ausfraß. Das Frühstück reichte aber nicht für den ganzen Tag und Monja musste ständig Arznei gegen Magenschmerzen schlucken. Abends besuchten sie ein Restaurant, wo sie ein wunderschönes Bier Martin Luther entdeckten und wo die Portionen besonders groß waren. Monjas Frau gesellte dann zu ihnen. Nach dem Lauf durch das Messegelände mit Monja am ersten Tag, verzichtete sie auf weitere Messebesuche und untersuchte Frankfurter Modeladen, wo sie das Sammelsurium kaufte und frönte der Mode. In Restaurant stopften sie alle sich wieder voll.

Einmal luden sie zum Abendessen eine französische Redakteurin. Die Dame stammte von russischen Emigranten der Ersten Welle, sprach ein interessantes Russisch und leitete die Abteilung für Osteuropäische Literatur. Während des Essens erzählte die Dame, dass ihre Abteilung für fünf Bücher verantwortlich war. Monja verkündete stolz, dass er dreißig Bücher veröffentlichte. Tomek sah, dass etwas mit der Aussage der Dame nicht stimmte. Sie fragte, ob die Dame fünf Bücher im Monat meinte. Die Dame wurde schockiert. Natürlich nicht, in einem Jahr! Die Dame konnte nicht glauben, dass Gamaün dreißig Bücher monatlich herausgab. Dann entschuldigte sich Tomek und fragte die Dame nach ihren Lohn. Die Dame verzieh diesen wilden Russen unangemessene Frage und nannte die Zahl, die zehnfach größer war, als Tomek für ihre ganze Redaktion bekam. Monja war sehr irritiert und sagte, dass die verfluchten Kapitalisten so was sich leisten konnten, weil sie Bücher so teuer verkauften. Tomek konterte, dass Bücher im Westen fünffach teurer waren, als in Russland, so sollte ihr Lohn mindestens zweimal höher sein. Monja antwortete, dass sie ruhig träumen könnte. Der Abend war endgültig verdorben. XXXXXX XXXX XX XXXX XX XX XXXXXX XXXXXXX XX XXXXXXXX XX XXXXX XXXXX.

Sie kehrten nach Rostow mit allem Pipapo zurück. Tomek brachte als Souvenir eine Packung von Zahnpaste mit, Monja – einen Bierdeckel (er bevorzugte Souvenirs, die man umsonst bekommen konnte) und Monjas Frau – einen Nerzmantel. Doch das Gespräch mit französischer Redakteurin war nicht umsonst. Jetzt war Monja total überzeugt, dass er zu viel Geld für Redaktion ausgab. Er begann intensiv listige Pläne zu schmieden, wie die Gehalte der Redaktion mindestens zu halbieren, und er war findig. Monja lag fest, dass die ganze Ausgabe in drei Monaten ausverkaufen sollte. Im anderen Fall sollte die Redaktion Geld einbüßen. Tomek versuchte ihm zu erklären, dass ohne Werbung so was unmöglich wäre, aber Monja sagte, dass ein Buch sich von selbst verkaufen sollte. Er ist doch nicht blöd, um für Werbung sein Geld wegzuschmeißen. Stattdessen erarbeitete er ein raffiniertes Strafensystem.

Eigentlich realisierte Monja damit nur seine letzte Sucht, dass ihm übrig blieb. Er interessierte sich nicht mehr für Frauen, er hatte schon genug Geld, zu seiner Enttäuschung merkte er, dass er als Redakteur auch nicht arbeiten konnte. Ihm blieb nur eine Leidenschaft – seine Untergebene ums Geld zu betrügen. Wenn es ihm gelang, einem Mitarbeiter den Lohn zu reduzieren, dann war er glücklich und witzig, wie in seinen jüngeren Jahren. Wenn nicht – war er trüb und launisch. Es war für Monja schmeichelhaft, dass ein Doktor für ihn arbeitete und er verstand irgendwie (Monja war nicht dumm), dass mit Tomek er sich irgendwie anders benehmen sollte, aber man muss doch seinen Spaß haben!

Tomek brauchte es nicht, erlesene statistische Methoden zu benutzen, um im Voraus zu erkennen, wann ihr Gehalt der Null gleich sein würde. Sie entschied sich, bis zu diesem Moment zu arbeiten und dann zu kündigen. Ihrer Berechtigungen nach hatte sie nur noch zehn Monaten vor sich. Und danach – Gehabe dich wohl! Ganz unerwartet schickte Monja sie nach Israel, um an einer Buchmesse, die Universität zu Tel-Aviv veranstaltete, teilzunehmen.

Tomek stieg aus dem Flugzeug aus und fiel fast in Ohnmacht. In der Stadt herrschte Chamsin. Die Hitze war sogar für Tomek unerträglich, die in Rostow 40 °C schon einige Male erlebte. Sie lief aus Leibeskräften zum Flughafen, in Frische der Airconditioner. Sie wurde von einem Mann namens Wowa empfangen, den sie in Rostow kennenlernte. Wowa verkaufte Bücher von Gamaün Verlag in Israel. Er lud sie in seiner Kleinbus ein, wo es auch ein Airconditioner gab. Monja verärgerte Wowa, indem er ihm Bücher zu teuer verkaufte, als Rache dafür buchte Wowa für Tomek das teuerste Hotel in Herzlia-Pituach – Marine Heights Suites. Tomek wohnte noch nie in einem Suite mit zwei Ebenen. Sie war beeindruckt. In der erste Ebene fand Tomek viele verschiedene Einschalter und Displays mit unbekannten Funktionen. Sie schaltete einige ein und dann passierte nichts. Enttäuscht ging Tomek in ein Café, weil sie sehr hungrig war. Sie aß zum ersten Mal koscher, konnte aber keinen Unterschied von unkoscherem Essen fühlen. Als sie zurückkam und versuchte sich zu duschen, entdeckte sie, dass es kein heißes Wasser gab. Es war etwas erstaunlich, aber sie war in Rostow daran gewöhnt, dass man sehr oft überhaupt kein Wasser hatte. So duschte sie sich in kaltem Wasser. Am nächsten Tag gab es wieder kein heißes Wasser und übermorgen auch. Jetzt war Tomek verärgert. Das Hotel war nicht gerade billig und sie hatte kein heißes Wasser? Sie kam zur Rezeption und fragte, warum bei ihr kein heißes Wasser gab. Als erstes entdeckte sie, dass man sie nicht verstehen konnte. Sie sprach gehobenes Englisch, was für Rezeptionisten vielleicht zu hoch war. Tomek löste das Problem mit der Zeichnung, obwohl auch nicht gleich, weil sie scheußlich zeichnete. Dann entdeckte sie als zweites, dass das, was sie malte, nicht existieren konnte, wie das die Rezeptionistin behauptete. Sie rief den Hausmeister, der eine halbe Stunde im Tomeks Apartment nach der Ursache suchte, als er zufällig bemerkte die Einschalter, mit denen Tomek vor drei Tagen spielte. Er sagte, dass Tomek selbst heißes Wasser ausgeschaltete.

Tomek kam nach Israel am Donnerstag. Sie wusste, dass am nächsten Tag Schabbat sein sollte und alle Läden geschlossen werden, so bat sie Wowa, sie zu einem Supermarkt zu kutschieren. Dort kaufte sie überwiegend Früchte, die alle für sie exotisch und verlockend aussahen. Am Freitag erfuhr sie, dass ihre Ängste umsonst waren – alle Läden, die „Russen“ gehörten, waren am Schabbat geöffnet, genauso wie Cafés und Kneipen. XXXX XX XX XXXX XXXXX XXXXX.

Die Stadt erwachte zum Leben um einundzwanzig Uhr. Es wurde angenehm kühl und alle liefen draußen oder saßen in unzähligen Cafés. Es war erstaunlich, dass kleine Kinder bis Mitternacht wach blieben und dass es niemanden störte. Tomek war überrascht und bezaubert von Ungezwungenheit der Israeliten (sie fragte sich, wann sie eigentlich schlafen, weil es keine Siesta in Israel gibt). Sie saß in einem Café und trank Wein (sie schätzte israelische Weine, doch kein Bier). Ein Kind in weißem Kleid lief neben ihr, dann plötzlich lag es sich auf den Boden hin. Die neben sitzende Mutter hatte nichts dagegen. Tomek versuchte die Mutter aufmerksam zu machen, dass Kind in weißem Kleid auf dem Boden lag. In Russland wäre es eine Tragödie. Die israelische Mutter sagte aber Na und? Es liegt halt! Wennschon, dennschon!

Die meisten Menschen waren gut gelaunt, lachten laut und scherzten. Tomek fragte sich, wie es nur möglich sein könnte. Sie ging durch die Allenby Straße in Tel-Aviv spazieren, neben dem Club, wo vor vier Tagen ein Selbstmordattentat passierte. Der Club war schon renoviert und da drinnen waren Leute, die tanzten und lachten. Wie konnten sie das? Einmal ließ Tomek ihre Tasche auf der Bank liegen und machte zwei Schritte weg. Gleich kamen zwei Polizisten und fragten, wem die Tasche gehört. Sie erteilten ihr einen Verweis, dass man keine Tasche ohne Beaufsichtigung lassen durfte. Die Bevölkerung war immer bereit zu Selbstmordattentaten, Raketenangriffen, Tod. Vielleicht waren Menschen hier schon seit vielen Jahren zu müde, um so was zu befürchten.

Tomek nahm an einer Exkursion nach Totem Meer teil. Unterwegs besichtigten sie auch andere Sehenswürdigkeiten. Sie lief durch Via Dolorosa, stand unter Klagemauer und kam endlich nach Kumran. Tomek frappierte den Unterschied zwischen arabischen und israelischen Siedlungen. Manchmal lagen zwischen ihnen nur hunderte Meter, aber es sah so aus, als ob es nicht nur Meter, sondern Jahrhunderte waren.

Die Buchmesse fand an dem Unigelände statt. Zu Besonderheiten der Messe gehörte die Möglichkeit dort gleich Bücher zu verkaufen und Wowa nutzte diese Gelegenheit. Es gab viele russischsprachige Studenten an der Tel-Aviver Uni, die mit Vergnügen Lehrbücher auf Russisch kauften, die darüber hinaus noch zwanzig oder sogar fünfzig Mal billiger als Bücher auf Englisch waren. Wowa war mit seinen kommerziellen Ergebnissen so zufrieden, dass er für Tomek die Abschiedsparty zu organisieren versprach.

Tomek lernte die Kuratorin der Messe kennen – Belinda, die aus Süd Afrika nach Israel immigrierte. Sie verstanden sich gleich gut. Eines Abends lud Belinda Tomek und noch einen englischen Verleger in ein Restaurant ein. Sie besprachen die Besonderheiten des Buchherausgebens in ihren Ländern. Der Abend würde für Tomek ganz angenehm, hätte der Engländer nicht so stark gestottert, dass es fast unmöglich war, ihn zu verstehen. Beide Damen sprachen dagegen sehr schnell und sie versuchten immer die Sätze von Engländer für ihn im Voraus zu beenden. Zuerst ärgerte es ihn, dann fand er es lustig und der Abend wurde gerettet. Als sie aus das Restaurant zurückkamen, fragte Belinda Tomek, ob sie nach Israel aussiedeln wollte. Tomek antwortete, dass sie noch nie daran dachte, aber das Land gefiel ihr. Sie fügte hinzu, dass besonders gefiel ihr Herzlia-Pituach. Belinda lachte und sagte, dass ihr die Stadt auch gefiel, doch sie würden dort nie wohnen, weil das billigste Haus dort über eine Million Dollar kostet. Die beide tauschte ihre Visitenkarten aus und versprachen einander im Kontakt zu bleiben.

Wowa sagte, dass er neben großem Cañon wohnte und Tomek erwartete eine gewaltige Schlucht zu Gesicht zu bekommen. Als sie keine sah, fragte sie Wowa, wo diese sich befand. Wowa lachte und wies auf ein großes Gebäude hin. Man nennt ein Supermarkt in Israel Cañon. Außer verschiedenen Läden gibt es dort noch Cafés, Restaurants und Kinos. Zuerst waren sie aber bei Wowas Mutter, die in einem Mehrfamilienhaus wohnte. Man zeigte Tomek Luftschutzräume, die jede einzelne Wohnung besaß, und da drin gaben auch Gasmasken... Tomek hatte ein mulmiges Gefühl, als sie in diesem Luftschutzraum stand.

Wowa wohnte am Rande der Stadt, hinter dem Haus begann schon die Wüste. Man arrangierte Essen im Hof. Es war April und am Abend ging die Hitze weg. Wowas Familie war sehr freundlich und nach einiger Flaschen Wein erzählten sie Tomek ihre Lebensgeschichte.

Wowa war ein Eisenbahningenieur von Beruf und arbeitete bei der Bahn in Rostow. Als sie nach Israel immigrierten, konnte er solche Arbeit nicht finden, weil damals Eisenbahn in Israel fast stillgelegt war. So begann er zuerst als Lkw-Fahrer zu arbeiten. Er lieferte Milch und Milchprodukte für verschiedene Läden mit noch einem Lkw-Fahrer zusammen. Dieser Fahrer war in Israel geboren und nannte sich Tzabar. Schon in erster Woche stellte Wowa fest, dass dieser Tzabar eine originelle Methode der Lagerung von zu transportierenden Waren benutzte. Wegen dieser Methode mussten sie bei jeder Lieferung den ganzen Lkw zuerst ausladen und dann wieder aufladen. In Russland war es für Wowa gewöhnlich, Verbesserungsvorschlägen immer einzubringen, was er auch in Israel zu tun versuchte und lernte gleich, dass in Länder des klassischen Kapitalismus jeder seinen Platz gut kennen musste. Der Tzabar erzählte ihm, dass sein Großvater genauso machte, danach sein Vater und er konnte überhaupt keinen Sinn finden, etwas zu ändern. Man sollte sich doch vorstellen, dass Wowa noch kein Ivrit konnte, und Tzabar beherrschte nur die Reste von Polnisch seines Opas. Die Diskussion war sehr lebhaft, aber nicht produktiv. Wowas Verbesserungsvorschlag wurde abgelehnt.

Wowa verstand, dass er ohne Sprache weiter nicht kommen konnte und begann den Ulpan – Ivritsprachkurs, zu besuchen. Die progressiven Methoden, die man dort benutzte, beeindruckte ihn sehr. Die Lehrerin konnte kein Wort auf Russisch und die Studierende konnte noch nicht hebräisches Alphabet und sogar später, als ihnen das Alphabet schon bekannt war, gab es für sie keine Möglichkeiten, das gewünschte Wort im Wörterbuch zu finden, weil das Lesen auf Ivrit eine besondere Kunst ist. So versuchte die Lehrerin jedes Wort mit Hilfe Gestik und Pantomime zu erklären, was sehr lustig war, aber nicht ausgesprochen resultativ und nahm zu viel Zeit in Anspruch. Manchmal errieten die Studierenden das Wort, manchmal tippten sie daneben. So verbesserte Ulpan Wowas Ivritkenntnisse nur sehr wenig.

Nach dem Ulpan entschied Wowa seinen Schicksal selbst zu steuern und öffnete einen Laden, wo man russische Bücher und DVDs kaufen konnte. Er rief seinen Bekannten Monja Feldmann an, um die Lieferung der Bücher zu vereinbaren. Als er seinen Container mit Bücher und DVDs bekam, war er über Monjas Geschmack verblüfft. Solche Bücher würde er sogar im Alptraum nicht auswählen. Besonders gefiel ihm, dass Monja eine große Menge von christlichen Gebetbüchern schickte, wissend, dass alle Kunden von Wowa Juden waren. Danach wurde Wowa gezwungen, selbst nach Rostow zu fliegen, um Bücher auszuwählen.

Unterdessen immigrierten viele Wowas Verwandte und Freunde nach Israel. Sie alle, um etwas Geld zu sparen, mieteten keine Wohnungen, sondern stationierten bei Wowa, manchmal bis zu einem Jahr. Natürlich bezahlten sie Wowa nicht und aßen sogar auf Wowas Kosten. Dazu kaufte Wowa noch ihnen Handys. Mehrere von ihnen taten später, als sie in ihre eigenen Wohnungen eingezogen waren, als ob sie Wowa nie kannten.

Zuerst kamen Wowas Schwägerin samt ihrem Mann. Sie trieben früher in Rostow Handel mit Bananen, gingen aber Pleite, als die großen Handelsketten in Russland entstanden. Wowa war mit seinem Schwager befreundet. Der Letzte mochte es, Wowa betrunken zu machen. Einmal in diesem Zustand fuhren sie mit Wowas Auto (das war noch in Rostow) durch die Stadt spazieren. Wowa war total blau und lag bewusstlos am hinteren Sitzt, so fuhr das Auto der Schwager. Auf einmal wurde es zu viel Laternen auf rostower Straßen und sie begannen quer die Straße liefen. Schwager war nicht so gut bei Slalom, er fuhr gerade auf eine Laterne zu. Durch die Wucht des Anstoßes wurde der Wagen total beschädigt. Der Schwager setzte Wowa auf Fahrerplatz und als Wowa zu sich kam, erklärte er ihm, dass Wowa die Havarie verursachte. Die entstandenen Kosten musste Wowa natürlich selbst tragen. Wowa ahnte irgendwie, dass sein Schwager das Auto fuhr, war aber zu schüchtern, um ihn danach zu fragen. Ansonsten waren sie gute Freunde.

 Die liebe Familie wohnten bei Wowa in Israel die ganze zwei Jahren. Weil die beide Diplome in Elektronik hatten, fanden sie schnell gute Arbeit. Sie blieben bei Wowa so lange, weil sie Geld für ihr eigenes Haus sparen wollten. Dann kauften sie ein zweistöckiges Haus und ein Auto. Der Schwager mochte es jetzt, Wowa einzuladen und ihm zu erzählen, dass er nicht so lange, wie Wowa, in Israel lebte, aber er hatte schon ein besseres Haus und ein besseres Auto. Was das Auto betraf, so war es nicht schwierig, ein Besseres zu haben, weil Wowa ein gebrauchtes Auto hatte, das durch Hagel beschädigt war. Eigentlich ist Hagel in Israel genau so selten, wie Chamsin in Deutschland. Wowa und seine Frau saßen auf lederner Couch, die nicht ihnen gehörte, und hörte stundenlang zu, wie ihr erfolgreich Schwager in Israel war. Abgesehen davon waren sie gute Freunde. XXXXX XXXXX XXXX XXXX XX XX XX XXX X XXXXXXXX XXXXXXXXX XXXXXXXXX XXXXXX XXXXX XXXX XXX XXX XXXX XXXXXXX XXXXXXX.

Die nächste Familie, die bei Wowa wohnte, waren seine Freunde aus Rostow. Sie blieben bei Wowa gar nicht so lange – nur ein Jahr. Sie gaben Wowa auch kein Geld, bekamen Handys und Wowa bürgte sogar für sie bei der Bank. In Israel, genau wie in Russland, wohnen Menschen in Eigentumswohnungen. Man muss bemerken, dass die Immobilienpreise in Israel fast die höchste in der Welt sind. Man nimmt dafür einen Hypothekarkredit auf, aber jemand muss Bürgschaft hinterlegen. Man zahlt diesen Hypothekarkredit dann zwanzig-dreißig Jahre zurück, andernfalls übernimmt die Bank diese Wohnung. Wowas Freunde kauften sich eine Wohnung und drei Jahre später verkauften sie die und kehrten mit dem Geld nach Russland zurück. Ihren Hypothekarkredit bezahlte Wowa. Sie blieben aber Freunde und Wowa besuchte sie in Russland. Es gab noch weitere Freunde und Verwandten, die bei Wowa wohnten, aber es waren immer die gleichen Geschichten. XXXXXX XXXXXX XXXXXX XXX XXXX XXXX XXX.

Im Endeffekt landete Wowa in einem Haus am Rand der Stadt. Früher hatte die Familie eine gute Wohnung fast im Stadtzentrum, aber sie musste diese Wohnung verkaufen und kaufen ein Haus, das aber wesentlich kleiner, als die frühere Wohnung war. Weil Immobilienpreise damals runter fielen, verlor Wowa viel Geld beim Verkauf und konnte nur dieses Haus im Stadtgebiet mit schlechter Reputation kaufen. Das Haus, wie alle andere in diesem Gebiet, waren in Kanada produziert für Saisonarbeiter. Die Teile wurden aus Pappe gemacht und man konnte ein Haus in einer Woche zusammenstellen. Leider dachte niemand, dass man in diesen Häusern jahrelang wohnen würde. Im Sommer war drin zu heiß, im Winter, sogar in Israel, zu kalt. Die früheren Besitzer des Hauses waren überglücklich beim Verkauf.

Neben dem Haus befand sich eine Bushaltestelle und alle Bewohner dieses Stadtgebiets lagerten gewöhnlicherweise ihren Müll dort. Das Haus besaß den dreißig Meter großen Hof, wo ein Pfirsichbaum und zwei Büsche einer Pflanze, die als verwelkte Rosa aussah, wuchsen. Dort gab es noch einen Carport für Wowas Auto. Das alles erweckte irgendwie bei Tomek vage Erinnerungen an irgendwelche literarische Personen, aber sie konnte sich nicht entsinnen, an welchen. Diese düsteren und betrüblichen Geschichten hat sie irgendwann gelesen.

Wowa gab den Empfang für Tomek im Hof. Wegen mangelndes Platzes stand der Tisch neben dem Zaun und Tomek fühlte sich so, als ob sie an der Bushaltestelle saß und aß. Die aus– und einsteigende in Busse Passanten begrüßten Wowa fortwährend. Ansonsten war die Stimmung sehr gut.

Tomek war schon gewöhnt an lässigen Erziehungsmethoden der Israelis, aber Wowa übertrumpfte sie alle. Sein dreijähriger Sohn, der noch Windelhöschen trug, lief ununterbrochen hin und her, nahm verschiedene Gartenwerkzeuge und schlug damit mit voller Kraft seine Eltern. Sie verzogen ihre Gesichter vor Schmerz, waren aber überglücklich, weil das Kind so lebendig und erfinderisch war.

Tomek kam zurück nach Rostow und arbeitete noch sieben Monate für Monja. Als ihr Gehalt der Null gleich war, kündigte sie. Monja war nicht besonders traurig. Statt einer alten Redaktion organisierte er fünf neue Redaktionen. Nach dem Tomeks Erfolg war er überzeugt, dass den „Backstein“, das heißt, das Buch (im übertragenen Sinne), jedermann produzieren könnte – jeder Djadja Wasja (jeder Onkel Wasja), wie es Monja behaupte. Aber Tomek interessierte das alles nicht mehr. Sie immigrierte nach Israel.

Tomek war schon zu alt, um in einem Kibbuz zu wohnen und dort Ivrit zu lernen. Sie mietete eine Wohnung und schrieb sich an einen Ulpan ein. Sie begann die Sprache noch in Russland zu lernen. Ivrit faszinierte und irritierte sie gleichzeitig. Die Sprache war mathematisch exakt, streng geregelt, es gab fast keine speziellen Normen bei Aussprache, aber es war zu wenig Wörter, die mit englischer oder russischer Sprachen übereinstimmten. Lehrbücher waren überwiegend schlecht. Weil es in geschriebenem Ivrit überhaupt keine Vokale gibt, kann man ein Wort nur dann lesen, wenn man dieses Wort kennt. Sie lernte aber fleißig, sah fern und begann langsam die Sprache zu beherrschen.

Nachdem sie sich auf Ivrit verständigten konnte, war für sie die Arbeitssuchfrage aktuell. Tomek wollte selbstverständlich als Wissenschaftlerin arbeiten. Wie sie feststellte, war das nicht gerade leicht. Vor der Massenmigration aus UdSSR hatte Israel acht tausend Wissenschaftler und auf einmal kamen zusätzlich vierzehn tausend sowjetische Wissenschaftler. Das war zu viel für so ein kleines Land. Einerseits wollte israelische Regierung diese qualifizierten Arbeiter behalten, andererseits gab es keine Arbeitsplätze für sie. Die Regierung rief ins Leben verschiedene Programme, um zusätzliche Arbeitsplätze zu finanzieren. Man dachte, wenn man zwei-fünf Jahre an einer Uni mit dem Geld von Regierung arbeitete, dann würde diesem Wissenschaftler einen Festplatz von der Seite der Uni angeboten. Aber das passierte nie. Die israelischen Universitäten konnten es nicht tun, sie hatten kein zusätzliches Budget.

Tomek nahm in Schapira-Programm und Giladi-Programm teil. Dank Belinda fand sie Arbeitsplatz an der Uni zu Tel-Aviv. Sie war aber nicht ganz zufrieden. In der UdSSR hatten Russen und Menschen anderer Nationalitäten immer gewaltigen Vorrang vor ihr, in Israel – Tzabar. Tomek wusste, dass sie besser als Wissenschaftler war, als viele von denen, aber genauso gut wusste sie, dass sie keine Chance auf einen Festplatz hatte. Sie fühlte sich wieder als ein Mensch zweiter Klasse.

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Tomek hatte jetzt eine Wohnung in Netania. Sie hatte es gern, abends am Kai spazieren zu gehen. Sie liebte das Meer und Meeresluft. Es gab da nicht viele Menschen um diese Zeit. Heute begegnet sie noch weniger Passanten, als gewöhnlich. Sie hört hastige Schritte hinter sich. Sie hasst es, wenn jemand hinter ihr läuft. Sie läuft langsamer, damit dieser Passant sie überholen kann, was der aber nicht tut. Tomek bleibt stehen und kehrt sich um. Das ist ein Mann und sie erkennt ihn gleich. Sein Name ist Löscha Inow. Er war ihr noch damals widerlich, als sie diesen Buchhaltungskurs besuchte. Er hatte etwas Falsches an sich und sie versuchte jegliche Kontakte mit ihm zu vermeiden. Er sieht, dass sie ihn erkannte, tut aber, als ob er sie nicht kennt. Er kommt näher, kommt vorbei. Sie fühlt einen heftigen Stoß und fehlt um die Steilwand der Kai runter.

Tomek liegt am Strand von Netania. Fast alle ihre Knochen sind gebrochen – Beine, Hände, Rippen. Sie kann kaum atmen, verliert ständig das Bewusstsein und hofft nur, dass die berittene Polizei, die den Strand regelmäßig patrouilliert, sie bald findet. Die Polizei findet sie. Tomek ist bewusstlos. Der Krankenwagen bringt sie zum Krankenhaus. Aber es ist zu spät.

Tomek ist tot, mausetot.


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